Assimilation und Propagation

1 Grundlagen

1.1 Theorie des Hefemanagements

  • Leitparameter: Temperatur, Restextraktgehalt, Ethanolgehalt, Hefezellzahl und Steigung der Wachstumskurve, Sauerstoffgehalt
  • Vermehrung gesteuert durch Temperatur und Belüftungsdauer/Intensität
  • Sauerstoff für Aufbau Lipidmembranen und Gerüstsubstanzen (Sterole und ungesättigte Fettsäuren)
  • Substratzusammensetzung (FAN, Extraktgehalt, Mineralstoffkonzentration,…)
  1. Heranzüchten eines Hefestamms auf Labormaßstab von einer Hefezelle
    • bis 80 Mio Zellen/ml
    • 8-10 °C
    • 6-7 % Restextrakt im Inokulat
  2. Assimilation/Propagation
    • 80 Mio Zellen/ml
    • Belüftung (Pause und Belüftungszeiten)
    • Bestimmung Zellzahl und Restextrakt offline
  3. Kräusenteilung
    • Teil Anstellhefe
    • 8-15 % werden verdünnt und 48h propagiert

1.2 Theorie des Hefewachstums

1.2.1 Modellierung Hefewachstum

  • autokatalytische Reaktion, exponentielles Wachstum
(1)
\begin{align} \frac{dX}{dt} = \mu \cdot X \end{align}
  • Wachstumsrate $\mu$ ist Summe von metabolitischen Abläufen und abhängig von der Substrataufnahmegeschwindigkeit
(2)
\begin{align} \mu = q_s \cdot Y_{X/S} \end{align}
  • Substrataufnahme-Inhibierung durch Ethanol
  • Lag-Phase bei Batch oder Fed-batch Verfahren, sigmoidale Funktion
(3)
\begin{align} L(t) = \frac{1}{1 + e^{-(t - t_{lag})}} \end{align}
(4)
\begin{align} q_s = q_{s,max} \cdot \frac{C_S}{C_S + K_S} \cdot \frac{K_{ie}}{K_{ie} + C_E} \cdot L_t \end{align}

1.2.2 CRABTREE Effekt

  • Bildung von Ethanol bei aeroben Bedingungen "respiratorischer" Flaschenhals
  • Zuckerkonzentration über 1 g/100 g
(5)
\begin{eqnarray} C_6 H_12 O_6 + a \cdot O_2 & \rightarrow & \mathrm{Bioma.} + b \cdot CO_2 + c \cdot H_2 O \\ C_6 H_12 O_6 & \rightarrow & \mathrm{Bioma.} + h \cdot CO_2 + i \cdot H_2 O + j \cdot C_2 H_6 O \end{eqnarray}
  • Diauxie: Zuckerkonzentration unter 1 g/100 g -> Umstellung Metabolismus auf Ethanol
  • Vereinfachungen
    • Verstoffwechselung von Ethanol kann vernachlässigt werden
    • Definition von $\alpha$ bei ausreichend hoher Sauerstoffkonzentration
(6)
\begin{align} \alpha = \frac{1}{1+ \frac{C_S}{K}} \end{align}

1.2.3 Temperaturabhängigkeit

  • Square root Model: beschleunigte Wirkung bis Maximum, danach negativ
  • Konstanten sind Organismen-spezifisch
(7)
\begin{align} f_{temp} = \left( b \cdot \left( T - T_{min} \right) \cdot \left( 1 - e^{c \left( T - T_{max} \right)} \right) \right)^2 \end{align}
(8)
\begin{align} q_s = q_{s,max} \cdot \frac{C_S}{C_S + K_S} \cdot \frac{K_{ie}}{K_{ie} + C_E} \cdot L_t \cdot f_{temp} \end{align}

1.2.4 Sauerstoffbedarf

  • Aufnahme in gelöster Form (Diffusion durch Zellwand)
  • Beeinflussung des Stofftransports durch
    • Konzentrationsunterschied
      • > 0,1 mg O2/l ausreichend, aber keine Unteschreitung von 0,034 mg/l in gesamter Kolonie -> Überdosierung
    • Temperatur
    • Transportgeschwindigkeit, Grenzschichtdicke
      • turbulente Strömung besser -> kleinere Grenzschichtdicke
      • Zufuhr von mechanischer Energie (Pumpen, Rühren)
    • Diffusionsweg durch Zellmembran
    • Diffusionsfläche (Oberfläche der Zelle)
  • Löslichkeit Sauerstoff abhängig von
    • spezifischer Löslichkeitskoeffizient $\lambda$ (gasspezifisch, temperaturabhängig, 1 bar)
    • Temperatur
    • Druck
(9)
\begin{align} m_{Gas} = \lambda \cdot f \cdot \rho \cdot p \end{align}
  • Korrekturfaktor f: StW = 12 % -> f = 88 %

1.2.5 Grundlagen der wissensbasierten Regelung mittels fuzzy logic

  • Beschreibung Systemverhalten mittels linguistischer Ausdrücke
  • Gesamtheit der Regeln stellt das Expertenwissen dar
  • scharfe Eingangsgrößen -> unscharfe Form (über Zugehörigkeitsfunktionen)
  • Interpretation als Flächen und über Berechnung der Flächenschwerpunkte können scharfe Werte für Ausgangsgrößen berechnet werden.
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