Mwp 02 Maelzerei

Mälzerei

Weichen und Keimen

Cytolyse

  • enzymatische Lösung von Teilen der Zellwände
  • Zellulose -> unlöslich, schwer angreifbar
  • Hemizellulosen/Gummistoffe
    • ß-Glucane (1->4 70%, 1->3 30%)
      • Läuter und Filterprobleme (Gelbildung)
      • Lösen des Gels durch hohe Temperaturen, schlecht für das Bierunfiltrat (Autolyse, schlechte Geschmacks- und Trübungsstabilität)
    • Pentosane: Xylose (ß1->4 mit Xylose, Arabinose und Glucuronsäure)
  • Analysen zur zytolytischen Lösung im Malz
    • Friabilimeterwert/Mürbigkeit des Malzes
    • Viskosität der Kongresswürze
    • ß-Glucan-Gehalt der Kongresswürze
    • Modifikation und Homogenitäat
  • Analysen zur zytolytischen Lösung in der Würze
    • Viskosität der Würze
    • ß-Glucan-Gehalt der Würze
Enzym Temp.-Opt. [°C] pH-Opt.
ß-Glucan-Solubilase 62 6,6 - 7,0
Endo-ß-(1->4)-Glucanase 40 - 45 4,5 - 4,8
Endo-ß-(1->3)-Glucanase 60 4,6
Exo-ß-Glucanase 40 4,5
Cellobiase < 20 4,5 - 5,0
Laminaribiase 37 5,0

Proteolyse

  • 8,0 - 13,5% als Klebereiweiß, Reserveeiweiß und Gewebeeiweiß
  • unterschiedliche große Fraktionen beim Abbau
    • Aminosäuren und niedermolekulare Eiweiße: Hefenahrung, Förderung Diacetyl-Abbau (FAN: ca. 200 mg/l), Maillard-Reaktion, Altersgeschmack (hoher FAN, Carbonyle)
    • Hochmolekulare Eiweiße: Schaumhaltigkeit, Vollmundigkeit, Trübungen, Filtrationsprobleme
  • Parameter in der Mälzerei
    • Keimzeit
    • Temperaturführung
    • Frischluft-/Umluftverhältnis
    • Keimgutfeuchte (Weichgrad steigert Proteolyse sehr stark)
    • Durch Intensivierung der Parameter wird nicht nur mehr Eiweiß gebildet, sondern auch an den Keimling abgeführt, so dass auch ein absoluter Abbau geschehen kann
Enzym Temp.-Opt. [°C] pH-Opt.
Endopeptidase 45-50 3,9; 5,5
Carboxypeptidase 50 4,8-5,6
Aminopeptidase 45 7,0-7,2
Dipeptidase 45 8,8

Darren

Aufgabe des Darrens

  • Überführung in lagerfähigen Zustand
  • Fixierung stoffliche Zusammensetzung
  • Einstellung charakteristisches Aroma und Farbe
  • Wasserentzug
  • Abtöten des Keimlings

Theorie des Darrens

  • Charakter des Malzes -> Biertyp
  • Qualität des Malzes -> Verarbeitbarkeit

Physikalische Veränderungen

  • Absenkung Wassergehalt von 50% auf 3-4%
  • leichter Anstieg des Wassergehalts bei Lagerung und Transport
  • für Erhalt der Mürbigkeit darf sich Volumen nicht verändern

Chemische Veränderungen

  • Wachstumsphase < 40 °C
    • Wachsen des Blattkeims (> 20%, < 40 °C)
    • Anhäufung von niedermolekularen Abbauprodukten über 30 °C
  • Enzymatische Phase 40 - 70 °C
    • Wirkung von Amylasen, Peptidasen, Glucanasen, Phosphatasen
    • zu hohe Temperaturen und zu hoher Wassergehalt führt zu irreversible Inaktivierung der Enzyme
  • Chemische Phase 95 - 100 °C
    • Maillard-Reaktion: Aminoverbindung + reduzierender Zucker
    • Maillard-Produkte haben z.T. antioxidative Eigenschaften
    • Streckeraldehyde gelten als Alterskomponenten im fertigen Bier

Praxis des Darrens

Helles Malz

moderater Eiweißgehalt (11%) => wenig Reduktionsedukte für Maillardreaktion

  • Schwelkphase
    • schneller Wasserentzug von 45% auf 6-7% (unten) und 18-20% (oben)
    • Temperaturerhöhung von 45 °C auf 65 °C
    • Dauer 10-12 Stunden
    • 100% Frischluft mit 100% Feuchte in der Abluft
    • Ende des Schwelkens ist der Durchbruch (sprunghafter Anstieg der Temperatur über der Horde)
  • Abdarrphase
    • stufenweises Aufheizen von 65 auf 70, 75 und 80 °C für je eine Stunde
    • 80-85 für 4-5 Stunden bis gewünschte Malzfarbe und DMS-Precursor
    • Erhöhung des Rückluftanteils, weil Abluftfeuchte immer geringer wird.
    • Feuchtigkeitsgehalt am Ende 3,5-4,0 %

Dunkles Malz

höherer Eiweißgehalt > 11,5 % => viele niedermolekulare Stickstoffverbindungen und Zucker für Maillard

  • Schwelkphase
    • Brühphase: 50-55 °C, Wassergehalt nicht unter 20%
    • hoher Rückluftanteil 80% => keine Trocknung mehr
    • Dauer 10 Stunden
    • Ende Feuchtigkeitsgehalt 20-25 % (oben fast noch 50%)
  • Trocknungsphase
    • Absenkung Wassergehalt von durchschnittlich 35% auf 5-6% innerhalb 6 Stunden
    • Temperatur 60°C bei 100% Frischluft
    • nach 2 Stunden Rückluft 100% für Ausgleich zwischen Gut und Luft
    • bei 70°C optimal für amylolytische Enzyme (Verzuckerungspause)
    • eigentliche Trockung bei 80-95 °C (Frischluft/Rückluft 80:20)
  • Rösten
    • 105°C bei 4-5 Stunden
    • Frischluft/Umluft 20:80
    • Feuchtegehalt 2%

Trocknungsvorgang

  • 1. Trocknungsabschnitt (= Schwelken)
    • Trocknungsgeschwindigkeit konst.
    • Grenzschicht um das Korn 100% gesättig -> keine Erwärmung des Korns
    • Abluft ist 100% gesättigt, Zustandsänderung der Luft ist isenthalp
    • Durchbruch: Verdunstung von freiem Wasser zu gebunden Wasser
  • 2. Trocknungsabschnitt (= Aufheizen)
    • Verdunstung gebundenes Wasser
    • Kapillar- oder Haftflüssigkeit oder Quellflüssigkeit
    • Kapillarkräfte werden zur bestimmenden Größe der Trocknungsgeschwindigkeit
  • 3. Trocknungsabschnitt (= Abdarren)
    • Verdunstung im hygroskopischen Bereich
    • Lufttemperatur und -feuchte werden zu bestimmenden Größen der Trocknungsgeschwindigkeit

Beispiel abgeführte Wassermenge

  • 1t Fertigmalz (4%) = 960 kg TrS.
  • 1750 kg Grünmalz muss 750 kg Wasser entzogen werden
  • Sättigungsgrad Frischluft ca. 79%, Lufttemperatur ca. 8 °C
  • Laut Mollier-Diagramm besitzt 10 °C warme Luft mit 65% Feuchte 5 g Wasserdampf/kg Luft
  • Durch Aufwärmen auf 60 °C und abkühlen durch das Malz auf 25 °C steigt die Feuchte auf 95% und beinhaltet nun 19,6 g/kg
  • 1 kg Luft nimmt also 14,5g/kg aus dem Malz
  • für Verdampfung von 750kg braucht es $\frac{750~kg}{14,6~\frac{10^{-3}~kg}{kg}} = 51370~kg$ Luft
  • Der Volumenstrom berechnet sich mit Hilfe der Dichte 1,247 kg/m3 (10 °C, 75%) der Luft = 41195 m3
  • Somit braucht man für 20 Stunden Schwelken und Darren 2060 m3/t h Malz
  • beträchtlicher Luftüberschuss nötig da Trocknungsvorgang nicht in allen Bereich quantitativ gleich ist. (5000 m3/t h)

Aufgabenstellung

  1. Besichtigung Versuchsmälzerei und Kleinmälzungsanlage
  2. Zeichnen technischer Einrichtungen einer Mälzerei von Annahme bis Malzabgabe (Fließschema)
    1. Silo -> Gerste
    2. Strömungsreiniger
    3. Weiche
    4. Keimkasten mit Nebenaggregaten
    5. Darre
    6. Malzputzerei
    7. Schemazeichnung 200kg-Keimtrommel
  3. Weich- und Keimdiagramm
    • Zeiten
    • Temperaturen
    • Keimgutfeuchten
    • Ventilatorleistung
    • Wende- und Spritzzeiten
  4. Gerstenbeurteilung
  5. Gerstenbeurteilung
  6. Darrschema für helles und dunkles Malz

Malzspezifikationen

Handbonitur

  • Fusarienproblematik (rote und aufgeplatze Körner)

Wassergehalt (NIR)

  • nicht über 5% (helles Malz)
  • Verrechnung Qualitätsparameter auf TrS
  • ungünstige Lagerungsbedingungen (über 6%)

Verkleisterungstemperatur

Verkleisterung
durch Wasseraufnahme bedingtes Quellen und Verlust der kristallinen Struktur der Stärke
  • unter Verkleisterungstemperatur ist enzymatischer Abbau nur sehr langsam
  • Nachweis mit Rotationsviskosimeter (RVA)
  • Einfluss auf VKT hat
    • Stärkekorngröße
    • Anteil und Art der Kristallstruktur
    • Anteil Ca und Na
    • Einlagerung von Lipiden (Amylose-Lipid-Komplexe)

Friabilimeter

  • Beurteilung der Lösung der Gerstenmalze
  • 50g (ca. 1500 Körner) werden innerhalb 8 Minuten zerrieben und durch Sieb geschickt
  • aus Rückstand errechnet man die Mürbigkeit
  • ganzglasige Körner sind völlig ungelöst und nicht zerrieben (gehen in die Wertung 2 x Gewicht ein)
  • Friabilitmeterwert > 85% und ganzglasige Körner < 2%

Modifikation und Homogenität

  • Calcofluor bildet mit ß-Glucan in den Zellwänden schlecht oder gar nicht gelöster Kornteile einen fluoreszierenden Komplex
  • 6 verschiedene Lösungsklassen
  • Auswertung als Modifikation (80-90%), wie viel % ist insgesamt gelöst.
  • Homogenität (> 75%) als Standardabweichung gibt an ob unterschiedliche Malze verarbeitet worden sind

Proteingehalt (NIR)

  • Eiweißgehalt nimmt während Mälzung um 0,5% ab
  • Kjeldahlmethode: Erfassung Stickstoff * 6,25
  • 1% Eiweiß mehr = 0,5-1,0% weniger Extrakt
  • Je mehr Eiweiß, desto stärker sind Zellwände
  • Gerste für helles Malz < 11% -> 10,5% Malzeiweiß

VZ 45°C

  • Rückschluss auf enzymatische Aktivität
  • stark abhängig von Weicharbeit, weil hier de-novo-synthetisierte Endoenzyme wirken
  • Normzahl 36-42%
  • in letzter Zeit wird Aussagekraft kritisiert

Diastatische Kraft

  • Erfassung der Aktivität der ß-Amylase (Malzauszug auf Stärkelösung)
  • Jodometrische Bestimmung der gebildeten Maltose
  • Normwert 200-350 WK
  • Abhängig von Sorte und Eiweißgehalt (je mehr, desto größer Aktivität)

α-Amylase

  • Erfassung der Aktivität der α-Amylase (Malzauszug auf Grenzdextrinlösung)
  • Dextrinbildungszeit: bis bei 660 nm eine Extinktion von 0,230 auftrit
  • ASBC-Einheit: wieviel Stärke in 1g Malz pro Stunde verzuckert
  • Normwert 30-65 ASBC
  • positiv: gründliche Sauerstoffversorgung, hohe Weichgrade

Aufgabenstellung

Malzbeurteilung mit den gegebenen Analysenmethoden und Begründung ob Annahme oder Ablehnung.

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