Mwp 01 Wasser Gerste
Wasser
Generelles
- mengenmäßig wichtigster Rohstoff im Bier (Brauchwasser, Brauwasser)
- für 1 hl Bier werden 1,4 hl Wasser benötigt
- Trinkwasserverordnung
- Bierqualität wird durch Wasserstoffionen beeinflusst (chem. u. phys. Stabilität, Geschmack, Schaum)
- Einfluss der Phosphate
- Einfluss auf Enzyme, Hopfeninhaltsstoffe
Wasserhärte
- Angabe
- als SI-Einheit [mol/l]
- als °dH (10 mg CaO; 7,19 mg MgO)
- Gesamthärte
- alle Calcium- und Magnesiumsalze, die Kohlensäure, Schwefelsäure oder anderen Säuren zugehören
- Summe aller Erdalkalieionen; relevant sind aber nur Ca und Mg
- Summe aus Karbonat- und Nichtkarbonathärte
- Karbonathärte
- durch Hydrogencarbonate bedingt (von Ca und Mg)
- vorrübergehende Härte (wird durch Kochen löslich)
- m-Wert * 2,804
- Nichtkarbonathärte
- durch Ca- und Mg-Verbindungen der Schwefel-, Salz und Salpetersäure bedingt
- bleibende Härte
- = Gesamthärte - Karbonathärte
- wenn Karbonathärte = Gesamthärte, dann ist das Wasser sodalkalisch
Acidität
- Wasserionen haben Einfluss auf pH und Acidität in Maische und Würze und damit auf Enzyme und Reaktionen
- Acidität = Säuregrad = Menge der aktuell freien H3O+
- Aciditätsvermindernd
- Hydrogencarbonationen (vernichtend)
$HCO_3^{-} + H^{+} \rightarrow H_2 O + CO_2 \uparrow$ - oder Hydrogencarbonationen mit gelösten Phosphat (vermindernd)
$H_2 PO_4^{-} \rightarrow HPO_4^{2-} + H^{+}$
$HCO_3^{-} + H^{+} \rightarrow H_2 O + CO_2 \uparrow$
- Hydrogencarbonationen (vernichtend)
- Aciditätsfördernd
- Kalzium-Ionen
$3 CaSO_4 + 4 K_2 HPO_4 \rightarrow Ca_3(PO_4)_2 \downarrow + 2 KH_2 PO_4 + 3 K_2 SO_4$ - Magnesium-Ionen (nur halbe Wirksamkeit wegen der geringeren Löslichkeit)
$3 MgSO_4 + 4 K_2 HPO_4 \rightarrow Mg_3(PO_4)_2 \downarrow + 2 KH_2 PO_4 + 3 K_2 SO_4$
- Kalzium-Ionen
Restalkalität
- beurteilt die Qualität des Brauwassers bezüglich der Ionen
- Erhöhung RA um 10 °dh, führt zu pH-Erhöhung um 0,3
- wenn RA = 0, dann wirkt Wasser wie destilliert
- Je heller das Bier, desto niedriger sollte RA sein
\begin{align} \mathrm{RA} = KH - \frac{CaH + 0,5 \cdot MgH}{3,5} \end{align}
Wasseraufbereitung
- Entfernung von Stoffen (Einteisenung, Entgasung, Entsalzung)
- Ergänzung von Stoffen (Braugips)
- Enteisenung / Entmangangung
$Fe(II) \rightarrow Fe(III)\mathrm{oxyidhydrat} \downarrow$
$Mn(II) \rightarrow Mn(III)\mathrm{oxyidhydrat} \downarrow$- durch Sedimentation oder Filtration werden ausgefallene Stoffe abgetrennt
- organisch gebundenes Eisen wird durch Oxidationsmittel (KMO4) entfernt
- Aktivkohlefiltration
- Entfernung vieler Stoffe
- Adsorption
- MO werden entfernt aber nicht eleminiert
- Oxidation/UV
- Beseitung von Problemen der Aktivkohlefiltration
- chem. und physik. Reaktionen
- Inaktivierung von MO
- Oxidationsmittel: H2O2, O3
Brauwasseraufbereitung
- Kalkfällung
- einstufig (Ca2+) / zweistufig (Ca2+ und Mg2+)
$CO_2 + Ca(OH)_2 \rightarrow CaCO_3 \downarrow + H_2 O$
$Ca(HCO_3)_2 + Ca(OH)_2 \rightarrow 2 CaCO_3 \downarrow + 2 H_2 O$
$Mg(HCO_3)_2 + Ca(OH)_2 \rightarrow CaCO_3 \downarrow + MgCO_3 + 2 H_2 O$
$MgCO_3 + Ca(OH)_2 \rightarrow CaCO_3 \downarrow + Mg(OH)_2 \downarrow$
$2 Na(HCO_3) + Ca(OH)_2 \rightarrow 2 CaCO_3 \downarrow + Na_2 CO_3 + 2 H_2 O$ - Effizienz bestimmt durch
- Temperatur (> 12°C)
- Konvektion (Rühren, Pumpen, Wirbelbettreaktor)
- Kristallisationskeime (Kontaktschlamm, Sand)
- Brauwasser hat hohen pH, aber geringe Pufferkapazität
- einstufig (Ca2+) / zweistufig (Ca2+ und Mg2+)
- Ionenaustauscher
- Entfernung von Kationen und Anionen
- schwach basisches Harz reicht um Wasser voll zu entsalzen (stark basisch zur Entfernung von Nitrat)
- Wasser soll frei von Schwebstoffen, Enteisent und Entmangant und rei von Chlorderivaten sein
- Membranverfahren (Umkehrosmose)
- hoher Druck auf Rohwasser -> Wassermoleküle gehen durch semipermeable Schicht -> Salze werden zurückgehalten
- Vollentsalzung
- Einstellung mit Rohwasser zur gewünschten Qualität
Aufgaben
- Zeichnung Kalkfällungsanlage
- Analyse zweiter unbekannter Brauwasser und Beurteilung ihrer Tauglichkeit
- Bestimmung notwendiger Kalkwassermenge
- Brandkalkgehalt
- Kalkwassermenge zur Ausfällung von Kohlendioxid
- Kalkwassermenge um Wasserqualität nach Reaktor 2 zu erzielen
\begin{align} \mathrm{Kalkwasser} = \frac{KH + MgH - \mathrm{Wunsch} KH}{\mathrm{Brandkalkgehalt}} + \mathrm{freies~CO_2} \end{align}
Gerste
Anforderungen
| Landwirt | Mälzer | Brauer |
|---|---|---|
| - großer Ertrag - wenig Aufwand - gute Resistenz - geringes Qualitätsrisiko gute Kornqualität |
- homogene Partien - gutes Malz - einfache Verarbeitbarkeit |
- homogene Lösung - gute Bierqualität - gute Verarbeitbarkeit |
Qualitätssicherung Malzannahme
- Keimenergie > 94 %
- Keimfähigkeit > 94%
- Wassergehalt < 14 %
- Eiweißgehalt 9,5-12 %
- hoher Extraktgehalt
- gute Enzymakivität (ß-Amylase)
- günstige Mehlkörperbeschaffenheit
- frei von Besatz, Auswuchs, aufgerissene Körner
Analysen
- Sortenwahl
- Sortenreinheit über PCR (Polychainreaction) prüfbar
- vor Lieferung schon klären, nicht erst bei Annahme
- Handbonitur
- Aussehen, Farbe
- Kornausbildung
- Geruch
- Spelzenbeschaffenheit
- fremde Beimengungen
- Einheitlichkeit
- Kornanomalien
- Sortierung
- Ermittlung Korngrößen und Einheitlichkeit durch Siebsatz
- Vollgerste (2,5mm) > 90%
- Keimfähigkeit
- wichtigste Eigenschaft, nur keimende Gerste verwendbar
- Analyse über Vitascope
- Eiweißgehalt
- hoher Eiweißgehalt -> niedriger Extrakt
- Nachweis mit Kjehaldahlmethode
- Nah-Infrarot-Transmissions-Spektroskopie (NIT)
- Infrarot-Reflexions-Spektroskopie (NIR)
- Änderung des Eiweißgehalts um 1 % führt zu
- 0,5-0,7% weniger Extrakt
- 5% niedriger Friabilimeterwert
- 0,02 mPa/s höhere Viskosität
- 30-40 mg mehr löslicher N je 100g Malz
- Kolbachzahl nimmt ab
- mehr ß-Amylase-Aktivität
- Wassergehalt
- Ermittlung der Trockensubstanz
- sachgemäße Lagerung
- Ermittlung über Trockenschrank oder NIT
- Rückstandsanalytik
- frei von Umweltgiften und industriellen Rückständen
- rechtliche Bestimmungen und Grenzwerte
- v.a. Fusarien-Mykotoxine
Lagerung von Gerste
- Keimruhe
- biologisch vorgegeben, damit Korn nicht am Feld austreibt
- wird durch kalte Lagerung verlängert
- kann durch Warmlagerung (1 Woche 35-40°C) gebrochen werden
- Keimenergie muss mit Aubry/Schönfeld nach 3-5 Tagen min. 95% betreagen
- werterhaltende Lagerung bei 6-10°C (nach Keimruhe)
Verarbeitung der Gerste
- Keimenergie: Prozentsatz der Körner die Keimruhe überwunden haben und auskeimen (min. 95%)
- Wasserempfindlichkeit
- Pollocktest: Körner in 4 und 8 ml zum Keimen bringen, Differenz der Keimenergien am 5. Tag ist Wasserempfindlichkeit und gibt an welcher Anteil bei zuviel Wasser nicht keimen wird.
- bei hoher Empfindlichkeit weniger Nassweiche und höhere Temperaturen
- Kleinmälzung
- reproduzierbare Befunde
- standardisiert
Kornfehler
- Notreife
- Zwiewuchs
- Spelzenverletzungen
- Aufgesprungene Körner
- Unvollständiger Spelzenschluss
- Offener Auswuchs
- Verdeckter Auswuchs
- Mutterkorn
- Mikrobieller Besatz
- Fusarien
Aufgaben
- Besichtigung von Auswuchsplatten durch Nachweis von Lipaseaktivität in Gerste mittels Kornschleifmethode nach Carlsberg
- Wassergehalts- und Proteinbestimmung mittels NIT
- Keimfähigkeit mittels Vitascope
- Vorführrung verschiedener Kornanomalien/Handbonitur
Seiten Revision: 5, zuletzt bearbeitet: 03 Nov 2010 11:40





