Bierschädliche Bakterien in der Brauerei
Lactobacillus brevis
- Zellmorphologie
- Langstäbchen (bis 10-50 µm), manchmal auch plumpe kürzere Stäbchen
- schlank parallelwandig, runde Enden
- selten gekrümm, schlangen- oder ringförmig
- Einzel- o. Doppelstäbchen in Wegweiserform
- Kolonienmorphologie auf NBB-A
- L. b. Typ I: teilweise rund, undurchsichtig, glänzend, glatt, konvex, ganzrandig
- L. b. Typ II: matt, rauhe marmorierte Oberfläche, flach, opak, unregelmäßiger, feingelappter bis rhizoider Rand
- physiologische Merkmale
- fakultativ anaerob
- heterofermentative Gasbildung
- bevorzugte Vergärung von Pentosen
- meist positive Argininspaltung
- keine Diacetylbildung
- Bierschädlichkeit
- obligat oder potentiell
- unterschiedlich nach Stamm und Herkunft
- Technologische Bedeutung: Berliner Weiße (Mischkultur mit og-Hefe und Brettanomyces bruxellensis)
Lactobacillus brevis var. frigidus
- Zellmorphologie
- wie L. brevis, nur kürzer
- wegen Schleimkapselbildung keine Berührungspunkte der Stäbchen
- physiologische Merkmale
- wie L.brevis, zusätzlich vergärung von Melezitose
- Bedeutung
- Kontaminat Unfiltrat (niedrige Temperaturen)
- Kaspelbildung → temperatur- und desinfektionsmittelresistent (> 25 PE)
- Streukontamination bei Filterschlupf (Anreicherung filtratseitig)
- starke Trübungen, Säuerung, Bodensatz, extreme Schleimbildung → viskose fadenziehende Biere
Lactobacillus brevisimilis
- Zellmorphologie
- wie L. brevis, nur schlanker und kurze Ketten
- selten gekrümmte Zellen
- physiologische Merkmale
- Vergärung von Pentosen und maximal noch Maltose
- Fru und Glu Verwertung schlecht
- Argininspaltung negativ
- keine Teichionsäuren in Zellwand
- Bedeutung
- Kontaminant im Unfiltrat
- Streukontamination bei Filterschlupf
- sehr langsames Wachstum
- leichte Trübungen, kaum Säuerung
- Probleme beim Nachweis (schlechte Erfassung bei Probennahme, fehlende Wuchsstoffe (P-Faktor) bei Membranfiltration)
Lactobacillus lindneri
- Zellmorphologie
- je nach Stamm und Kulturvierungsbedingungen
- extrem lange Einzel- und Doppelstäbchen (Bier)
- kokkoide Kurzstäbchen in sehr langen verwinkelten Ketten
- unregelmäßige "wurstförmige" Kurzstäbchen (NBB)
- physiologische Merkmale
- heterofermentativ, mikroaerophil
- Vergärung Glu, Mal, Fru
- keine Argininspaltung
- Temperaturmaxium 28 °C
- spezielle Wuchsstoffansprüche (P-Faktor)
- Bedeutung
- Kontaminant Unfiltrat
- Filterschlupf, Verschleppung über CO2- und Bierleitungen
- Widerstandsfähig gegenüber sauren Desinfektionsmitteln
- Toleranz gegenüber hohen Hopfen- (bis 45 BE) und Alkoholgehalten (bis 9 %), aber Wachstum bestimmt durch Wuchsstoffangebot
- leichte Trübungen und Sedimente, kaum Säuerung
Lactobacillus casei
- Zellmorphologie
- kurze regelmäßige Stäbchen mit abgerundeten Ecken
- Kettenbildung (bis 50 Glieder)
- physiologische Merkmale
- fakultativ heterofermentativ
- Vergärung zahlreicher Zucker bis auf Melibiolse, Xylose
- Gas aus Gluconat
- keine Argininspaltung
- reine L-Laktat-Bildung
- Bedeutung
- ubiquitär, Sekundärkontaminant
- Wachstum nur im schwachgehopften Bier
- leichte Trübungen und Sedimente, Diacetyl
Lactobacillus coryniformis
- Zellmorphologie
- unregelmäßige keulen-, tropfen-, herzförmige Zellen
- kokkenförmige tetradenähnliche Formen
- Bildung von Paaren und kurzen Ketten
- physiologische Merkmale
- fakultativ heterofermentativ
- Vergärung weniger Zucker, immer Mannose, Mannit
- keine Argininspaltung
- Bedeutung wie L. casei
Lactobacillus backii
- Zellmorphologie wie L. coryniformis
- physiologiesche Merkmale
- homofermentativ (kein Gas aus Gluconat, Maltose, Glucose)
- Wachstum bis 36 °C, Optimum bei 28 °C, unter 15 °C kein Wachstum
- keine Argininspaltung, keine Diacetylbildung
- Bedeutung
- Sekundärkontaminant, obligat bierschädlich, Wachstum auch im Pils-Bier
- Trübungen und Sedimente, leichter pH-Abfall (0,1-0,2)
Lactobacillus plantarum
- Zellmorphologie wie L. casei, aber längere Stäbchen und kurze Ketten
- physiologische Merkmale
- fakultativ heterofermentativ
- Vergärung vieler Zucker bis auf Rhamnose, Xylose
- Gas aus Gluconat
- keine Argininspaltung
- Bildung von DL-Laktat
- Bedeutung
- Sekundärkontaminant
- Wachstum nur in schwach gehopften Bier
- leichte Trübungen und Sedimente + Diacetyl
Pediococcus damnosus Biersarcina
- Zellmorphologie
- Tetradenbildung, Mono-, Diploketten, kurze Ketten
- Durchmesser 0,7-1,0 µm
- Kolonienmorphologie auf NBB-A
- klein, rund, undurchsichtig, glänzend, glatt konvex, ganzrandig
- physiologische Merkmale
- homofermentativ, mikroaerophil
- Temp. Opt: 22-25 °C, Temp. Max: < 35 °C
- Vergärung von Cellobiose, Fru, Gal, Glu, Mal, Mannose, Melezitose, Salicin, Trehalose
- negative Argininspaltung
- Bedeutung
- typisch Brauereispezifisch (→ sehr anspruchsvolle Nähr- und Wuchsstoffforderungen)
- Primärkontaminant (Hefe, Unfiltrat)
- vollständiges Absetzen im Geläger
- Sedimente, Diacetyl, schlechte Schaumwerte, evtl. erhöhte Histaminwerte
Pediococcus inopinatus
- Zellmorphologie
- Tetradenbildung, Mono-, Diploketten, kurze Ketten
- Durchmesser 0,5-0,7 µm
- Unterschiede zu P. damnosus
- Wachstum nur in schwach gehopften Bieren
- keine Diacetylbildung
- Vergärung von Lac, keine Vergärung Melezitose
- Wachstum höhere Temperaturen (35-37 °C) und höheren pH-Werten (7,0-7,5)
Lactococcus lactis und Lactococcus raffinolactis
- Zellmorphologie
- runde bis ovale Zellen in perlschnurartigen Ketten
- Durchmesser 0,6-1,5 µm
- Physiologische Merkmale
- homofermentative Verwertung vieler Zucker
- reines L(+)-Laktat
- L. lactis → pos. Argininspaltung, Wachstum 40 °C, pH 9,2
- //L. raffinolactis // → Vergärung von Dextrin, Melibiose, Raffinose, Rhamnose
- Bedeutung
- potentiell bierschädlich in schwachgehopften Bieren (< 13 BE)
- Diacetyl
- Indikatorkeime im Unfiltrat und Abfüllbereich (→ vergesellschaftet mit Bierschädlingen)
Leuconostoc mesenteroides und Leuconostoc paramesenteroides
- Zellmorphologie
- runde bis ovale, sehr kleine Zellen, perlschnurartige Ketten
- Durchmesser 0,5-0,9 µm
- physiologische Merkmale
- heterofermentativ
- CO2-, D(-)-Laktat- und Ethanolbildung
- Bedeutung
- wie Lactokokken, aber seltener
- zusätzlich Schleimbildung durch L. mesenteroides
Micrococcus kristinae
- Zellmorphologie wie Pediokokken nur wenig größer
- physiologische Merkmale
- fakultativ anaerob (andere Mikrokokken strenge Aerobier)
- Unterscheidung zu Pediokokken → Katalase pos, Oxidase pos, Wachstum 42 °C und pH 8,0
- Bedeutung
- Wachstum nur bei pH > 4,7, niedrigem Hopfengehalt, Restsauerstoff
- leichte Trübungen, fruchtesterartige Stoffwechselprodukte
Pectinatus cerevisiiphilus und Pectinatus frisingensis
- Zellmorphologie
- schlank, parallelwandig, leicht gekrümmt oder schlangen- bzw. korkenzieherartig, spindelförmige Enden, Einzel- oder Doppelstäbchen
- 0,8 x 4 µm
- laterale Begeißelung → schnelle zittrige oder schlangenförmige Bewegung
- Kolonienmorphologie sehr variabel
- physiologische Merkmale
- GRAM-neg., streng anaerob
- Temp. 15-40 °C, Optimal 30-32 °C
- Vergärung zahlreiche Zucker (→ Säuerung) und org. Säuren (→ pH-Anstieg)
- Hauptstoffwechselprodukte: Propionsäure, Essigsäure, Bersteinsäure, CO2
- Bedeutung
- obligat bierschädlich
- Wachstum pH > 4,4 und O2 < 0,3 mg/l (Vermehrung auch in Bieren mit hohem Aussstoßvergärungsgrad)
- starke Trübungen und Bodensätze, unangenehme Geschmacks- und Geruchsfehler
Megasphaera cerevisiae
- Zellmorphologie
- ovale oder runde Zellen, in Paaren oder Viererketten
- Durchmesser 1,2-1,6 µm
- Kolonienmorphologie wie Pectinatus, aber kleiner und sehr variabel
- physiologische Merkmale
- GRAM-neg., streng anaerob
- Temp. 15-37 °C, Temp-Opt. 28-30 °C
- Vergräung von Fru, Lac, Pyruvat
- Hauptstoffwechselprodukte: Buttersäure, Capronsäure, Propionsäure, Essigsäure, Valeriansäure, CO2, H2, H2S
- Bedeutung
- obligat bierschädlich
- Wachstum pH > 4,5 und O2 < 0,3 mg/l (Vermehrung auch in Bieren mit hohen Aussstoßvergärungsgrad und hohen Hopfengehalten)
- gewisse Alkoholempfindlichkeit
- leichte Trübungen und gerine Bodensätze, gravierende Geschmacks- und Geruchsfehler (Kloakengeruch)
Kultivierung von Megasphaera und Pectinatus
- Plattenkulturen im Anaerobiosetopf
- Hochschichtagarkulturen
- flüssige Kultivierung (randvolle Probengefäße)
- bei Membranfiltration kann noch viel O2 enthalten sein, deswegen vorher CO2-Spülung
Zymomonas mobilis
- Zellmorphologie
- Kurz- oder Langstäbchen (1,0-1,5 x 2,0-6,0 µm) mit runden Ecken
- Einzel- oder Doppelstäbchen; Agglomerate
- physiologische Merkmale
- GRAM-neg., Katalase positiv, Oxidase neg., meist unbeweglich, fakultativ bis streng anaerob
- Temp. 8-35 °C, pH 3,8-7,5
- Vergärung von Fru, Glu, Sac
- Hauptstoffwechselprodukte: Ethanol, CO2, Acetaldehyd, höhere Alkohole, Essigester
- Bedeutung
- potentiell bierschädlich nur in Bieren mit Zuckerzusatz
- Verderb nur von Ale-Bieren mit Zuckerzusatz
- fruchtiges Aroma, starke Trübungen und Sedimente, kochende Gärung
Indirekte bierschädliche Bakterien
- Pantoea (Enterobacter) agglomerans
- Obesumbacterium proteus
- Enterobacter cloacae
- Enterobacter aerogenes
- Enterobacter sakazakii
- Klebsiella pneumoniae
- früher "Würzebakterien" oder "Coliforme Bakterien"
- Zellmorphologie
- Kurzstäbchen, häufig pleomorphe Formen
- Kolonienmorphologie sehr variabel
- physiologische Merkmale
- GRAM-neg, fakultativ anaerob, Katalase pos., Oxidase neg.
- Pantoea agglomerans und Obesumbacterium proteus
- Vorkommen vorallem in Hefe, kaum in Würze
- Bedeutung
- Wachstum in Kulturhefe bei 3-8 °C
- massive Geschmacksfeheler Acetoin und DMS (Selleriegeschmack)
- Verschleppung der Fehler ins Bier (nur noch starker Verschnitt möglich)
- Schaumprobleme
Seiten Revision: 3, zuletzt bearbeitet: 10 Mar 2011 04:38





