Kultivierung und Charakterisierung von Mikroorganismen
Flüssige Kulturen
- Anwendung
- Anreicherung und Vermehrung von MO (optimales Nährstoffangebot, Belüftung)
- physiologische Tests
- Erfassung von Wachstumsverhalten
- Wachstumsbilder
- Trübung → gleichmäßig, Schlieren
- Bodensatz → locker, fest, flockig, körnig, schleimig
- Oberflächenwachstum (aerobe Keime)
- Ringbildung
- Hautbildung → Pallisaden, Dachziegel
Kahmhaut: innerhalb 3 d bei 25-30 °C - Inselbildung → CO2-Bildung → Aufsteigen einzelner Zellverbände
- Gasbildung
Feste Kulturen
- Anzucht auf festen Agarnährböden → jede Zelle bildet örtlich fixierte Kolonie
- Anwendung
- Nachweis von MO
- Isolierung → Einzelkolonie → Reinkultur
- Keimzahlbestimmung
- Stammhaltung
- Färbepräparate
- Koloniemorphologie → taxonomisches Merkmal
- direkte Differenzierungstests
Kolonieformen
Platten- und Reagenzglaskulturen
Plattenkulturen
- Petrischalen (5,5/9/14 cm) Gießtemperatur 50 °C, Deckel mit Nocken für Gasaustausch, aerobe Inkubation, anaerobe Inkubation → Anaerbiosetopf
- Ausstrischplatte
- Isolierung Einzelkulturen
- Stammhaltung von Arbeitskulturen
- mit Impföse
- Aussgussplatte = Spatelplatte
- Keimzahl (Titer-) und Keimtypenbestimmung
- Isolierung von Einzelkulturen
- physiologische und cytologische Tests
- Gewinnung von Zellmaterial
- Verteilung von Zellsuspensionen mit Drigalskispatel
- Klatsch- und Färbepräparate
- Gussplatte
- Keimgehalt in Probe
- Keimzahlbestimmung
- Ansatz Nähragar 44 °C: Probe + NA in RG mischen und ausgiessen oder Probe in Schale und NA dazu und mischen → Oberflächen- oder Submerskulturen (aerob/anerob)
- Membranfilterkultur
- MF 0,20/0,45 µm Porengröße/Gitternetz
- Keimgehalt in filtrierbaren Proben
- Keimzahlbestimmung
- Spurennachweis
- MF auf Agarplatte legen → quantitative Auswertung durch Koloniezählen
- MF in Nährlösung → Trübung → qualitativer Nachweis
Reagenzglaskultur
- im Kühlschrank lange haltbar, geringer Platzbedarf
- Schrägagarkultur
- größere Agaroberfläche, wellenförmiger Ausstrich (Impföse)
- Stammhaltung Aerobier (Bakterien, Hefen, Schimmelpilze)
- Überimpfperioden: Bakterien → 4 Wochen, Hefen + Schimmelpilze → 3 Monate
- Stichkultur
- Stammhaltung für Anaerobier, fakultativ anaerobe Keime
- Impfnadel (Überimpfen nach 4-12 Wochen)
- Stichkanal (Verhalten gegenüber O2) → Wachstumszonen
- strikte Aerobier: nur Oberfläche
- aerophile Keime: Oberfläche, oberer Bereich
- fakult. Anaerobier: gesamter Kanal, nach unten weniger
- mikroaerophile Keime: besonders mittlerer und unterer Bereich
- strikte Anaerobier: nur unterer Bereich
- Gasbildung: Risse, Zerklüftungen, Anheben
- Schüttelagarkultur
- Kultivierung mäßig anaerober und fak. anaerober MO
- Austreiben von O2
- Wachstumsbild je nach Sauerstofftoleranz → Parafinverschluss
- Weichagarkultur
- 0,02-0,3 % Agar → halbfeste Konsistenz
- Stichkultur zeigt unbewegliche von beweglichen MOs → strichförmiges/diffuses Wachstum (Trübung)
Anaerobe Kultivierung
- Entfernung O2 im Medium und Umgebung durch chemische und physikalische Methoden
- Oxidationsschutz: stark reduzierende Substanzen (Natriumthioglycolat, L-Cystein bzw. Cysteinhydrochlorid, Ascorbinsäure, Natriumsulfid, Natriumsulfit)
- Sauerstoffindikatoren: Methylenblauindikatorstreifen (weiß → anaerob, blau → aerob)
- Methoden
- Hochschichtagar
6-8 cm in RG, 10 min kochen → O2 austreiben, schnell abkühlen, Abschluss mit flüssigem Parafin, Beimpfen mit Impfnadel - Methode nach Wright und Burri
Schrägagarkultur, darüber steriler Wattestopfen + Wattestopfen mit Pyrogallollösung (reduzierende Wirkung von Pyrogallol im alkalischen Milieu) + Luftdichter Verschluss - Anaerobiose Topf
- Umsetzung von Sauerstoff am Palladiumkatalysator mit Wasserstoff (NaBH4 als Quelle) → kalte Knallgasreaktion
- Oxidation von Eisenpulver in Kieselgur als Trägermaterial
- CO2 als Reaktionsstarter Na2CO3 + Säure + Wasser → CO2
- Indikator Methylenblau
- Problem: Membranfilter enthält O2 → CO2-Spülung)
- Systeme: Gas Pak, Anaerocult, Gas-Generating-Kit
- Physikalischer Luftaustausch (Exsikkator mit 2 Hähnen, Vakuum-/Wasserstrahlpumpe, Begasung CO2/N2)
- Vorteil: billig, jederzeit Entnahme möglich
- Nachteil: Keimverschleppung
- Hochschichtagar
Vermehrung und Wachstum
Zellzahl- und Zellmassebestimmungen
- Direkte Methoden
- Zählmethode/Zählkammer
- homogen gemischte MO-Suspension auf Zählkammer (16 Großquadarte x 16 Kleinquadrate = 256 KQ)
- Tiefe 0,1 mm für Hefe (Hauser-Petroff-Kammer) 0,02 mm für Bakterien (Thoma-Kammer)
- kombiniert mit Methylenblautest (min. 200 Zellen)
→ Lebend-Tot-Anteilbestimmung (blau = tot)
→ Viabilitätsmessung
- Coulter Counter
- Zelle durch Kapillaröffnung → Erhöhung elektrischer Widerstand → Impuls
- Impulsintensität Aussage über Zellgrößenverteilung
- genaue und schnelle Methode
- Zählmethode/Zählkammer
- Indirekte Methoden
- Turbidimetrie → Messung opt. Dichte als Extinktion
- Nephelometrie → Streulichtmessung (Eichkurven für verschiedene MO)
- Bestimmung Trockenmasse, N- oder C-Gehalt
- Bestimmung charakteristische Stoffwechselprodukte → O2-Aufnahme, CO2-Bildung, Säureproduktion
Brauerei: CO2-Bildung/Zeit → Zellmasse/Gäraktivität
Ermittlung Lebendkeimzahl
- Hygieneuntersuchungen, biologische Stabilität von Getränken
- Gussplattenkulturen + Spatelplattenkulturen (z.B. TVO, MTV)
- nährstoffreiche, peptonhaltige, hefeextrakthaltige Medien (Kollektiv-, Selektiv-Nährböden)
- Medien aufkochen, auf 45 °C temperieren → ausgießen
- Ermittlung Koloniezahl: 30-300 (50-60 optimal)
- Membranfiltermethode (z.B. Bier, Wasser, Wein)
- Porenweite 0,2/0,45 µm, blasenfrei
- nach Filtration auf Agarplatte legen
- Dezimale Verdünnungsreihe
- MPN-Methode (Most Probable Number)
- üblich in Lebensmittelmikrobiologie (Nachweis Enterobacteriaceae, E. coli)
- 3 verschiedenen Verdünnungen in Lactose-Bouillon + Durham Einsatz + pH-Indikatorfarbstoff oder MacConkey-B, BRILA zu 3 RG paralell beimpft
- Auszählen positiver Röhrchen (Trübung, Gasbildung, Säurebildung) → Bestimmung wahrscheinlichen Keimgehalts aus statistischen Tabellen
- Titer-Verfahren
- kleinste Probemenge in ml, in der MO gerade noch nachweisbar sind → Dezimale Verdünnungsreihe, Flüssigmedien
- TITER = niedrigste Verdünnungsstufe mit Wachstum
- Titerverfahren für feste Proben: Bebrütung verschiedener Mengen → Aussage wieviele Keime sich in welcher Menge befinden können
Physiologisch-Biochemische Tests
- GRAM-Verhalten (Schlüsseltest)
- Gram-negativ MO: einschichtige Zellwand
- + KOH (5 %ig) Kolonien mit Impföse verrühren → Schleimbildung (fädenziehend)
- Oxidase-Test (Schlüsseltest)
- Sauerstoff als Elektronenakzeptor (Energiegewinnung), Cytochrom-Oxidase katalysiert Reaktion
- Bierschädlinge sind immer Oxidase-negativ, aber auch nicht schädliche gram-neg. Bakterienarten
- Blaufärbung von Teststreifen (Kovacs- oder Nadi-Reagenz) bei Oxidase-positiv
- Indol-Bildung
- Abbau von Tryptophan zu Indol (E. coli auf St. II-B)
- 1-3 d bei 38 °C im RG + Kovacs-Indolreagenz → purpurroter Ring → positiv
- Katalase-Test (Schlüsseltest)
- Katalase bei Aerobiern
- O2 → O22-+ 2 H+ → H2O2 → Katalase → H2O + 1/2 O2
- Aufschäumen positiv
- Schwefelwasserstoffbildung
- Identifizierung bei Enterobacteriaceen (z.B. Salmonellen)
- St. I-Medium + Natriumthiosulfat + Ammoniumeisen(III)-citrat
- bei H2S-Bildung → Ausfällung schwarzes Eisensulfid
- Voges-Proskauer-Test (VP-Test)
- Nachweis Acetoin, 2,3-Butandiol, Diacetyl
- Wachstum in Glucosehaltiges Medium → Kultursuspension + Kreatin + a-Naphthol + KOH → Rotfärbung nach Schütteln → positiv
- Differenzierung E. coli und coliforme Bakterien (Bierschädlinge Pediococcus damnosus, Lactobacillus casei)
Färbemethoden
- Fluoreszenz-Färbung mit Acridinorange
- Geißel-Färbung (Leifson oder Gray)
- Gram-Färbung
- einschichtig → gram-neg. mehrschichtig → gram-pos.
- Färben mit Kristallviolett, Beizen Lugol'scher Lösung, Waschen Ethanol, Gegenfärbung Safranin, Waschen und Trocknen
- Hellfeld mit Ölimmersion (blau → gram-pos, rot → gram-neg.)
- Kapselfärbung nach Novelli
- Membranfilter-Mikrokolonie-Fluoreszenz-Methode (MMCF-Methode)
- Methylenblau-Färbung
- 2 Theorien
- lebende Zellen: schlechte Permeabilität für MB → keine Färbung, tote Zellen: gute Permeabilität wegen defekter Cytoplasmamembran → Blaufärbung
- lebende Zellen: Oxidation von MB in farbloses Leuco-Methylenblau → keine Färbung, tote Zellen: keine Umwandlung → Blaufärbung
- Lebend-Tot-Nachweis von Brauereihefen
- MB-Lösung + Pufferlösung (Trinatriumcitrat/Kaliumphosphat) mit Hefesuspension mischen
- Auszählen im Hellfeld (ca. 50 Zellen/Gesichtsfeld, 20 Gesichtsfelder)
- 2 Theorien
- Negativfärbung (Schleimhüllen- und Kaspelfärbung)
- Sporenfärbung
- Vorkultur: nährstoffarmer Natriumacetat-Agar
- Ausstrich an Flamme fixiern, mit Malachitgrün versetzen und mehrmals verdampfen lassen, Abspülen, Differenzieren in Alkohol, Abspülen, Gegenfärben mit Safraninrot, Abspülen und Trocknen
- Hellfeld mit Ölimmersion → Sporen Grün Zellen Rot
- auch für Ascosporenfärbung für Hefen geeignet
Identifizierung von Mikroorganismen
- klassische Verfahren
- Zellmorphologie
- Koloniemorphologie
- physiologisch-chemische Merkmale
- Stoffwechselprodukte
- moderne Verfahren
- Zellwandtyp (Peptidoglycan, Murein)
- Enzymcharakterisierung (elektrophoretische Mobilität)
- Proteinmuster (Elektrophorese, immunologische Tests)
- Guanin + Cytosin-Gehalt der DNS)
- DNS/DNS-Homologie
- Sequenzierung
- Bedeutung für Getränketechnologie
- grobe Differenzierung ausreichend → Schädlichkeitskategorien
- genaue Identifizierung in speziellen Fällen
- Ermittlung von Infektionsquellen
- gezielte Desinfektionsmaßnahmen
- Filtrationseffizienz
- Pasteurisations-Einheiten
- Anfälligkeit von Getränken
Identifizierungsspektrum für Hefen
- Vergärung von Kohlenhydraten (Basis-Medium ohne C-Quelle + Durham-Einsatz + C-Quelle → Wachstum, Trübung, Gasbildung)
- Assimilations-Test von Kohlenhydraten (Basis-Medium ohne C-Quelle + jeweilige C-Quelle → Wachstum, Trübung)
- Assimilation von N-Verbindungen (Basis-Medium ohne N-Quelle + Nitrat, Nitrit, Ethylaminhydrochlorid, Cadaverinhydrochlorid, L-Lysin)
- weitere Tests
- Wachstum im vitaminfreien Agar
- Wachstum auf 50 % Glucose-Agar
- Wachstum mit 10 % NaCl
- Wachstum bei 37 °C
- Wachstum mit 100 und 1000 ppm Cycloheximid
- Urease-Test
Identifizierungsspektrum für Milchsäurebakterien
- Bedeutung als Kulturstämme, Starterkulturen, Bierschädlinge
- Vergärung verschiedener C-Quellen (MRS ohne Zucker, SHARPE-Medium + Chlorphenolrot + 1 % jeweilige C-Quelle)
- Weitere Tests
- Gas-Bildung (Durham-Einsatz)
- Milchsäurekonzentration
- Wachstumstoleranzen (Temperaturen, pH, NaCl-Konzentration)
- Alkoholtoleranz
- Arginin-Spaltung
- Hippursäure-Spaltung
- Acetoin-/Diacetyl-Bildung
Seiten Revision: 4, zuletzt bearbeitet: 22 Mar 2011 19:26





