Kapitel 1: Einleitung - Sterilisation - Zellmorphologie
Gefährundsklassifizierung von Mikroorganismen
| Gruppe 1 | Fehlendes oder geringes Risiko für die Beschäftigten, die Bevölkerung und Haustiere |
|---|---|
| Gruppe 2 | Mäßiges Risiko für die Beschäftigten. Geringes Risiko für die Bevölkerung und Haustiere |
| Gruppe 3 | Hohes Risiko für die Beschäftigten. Geringes Risiko für die Bevölkerung. Nicht heimische Erreger für Haustiere mit unbekannten Risiko |
| Gruppe 4 | Hohes Risiko für die Beschäftigten. Hohes oder unbekanntes Risiko für die Bevölkerung und Haustiere |
Laborausstattung (Übersicht)
- Mikroskop
- Brutschränke
- Autoklav
- Membranfilter
- Gasbrenner, Impföse
- Glaswaren
- Petrischalen
Sterilisation und Desinfektion
- Steril oder keimfrei bedeutet
- frei von vermehrungsfähigen Mikroorganismen
- einschließlich deren Ruhestadien oder Dauerformen (z.B. Sporen)
Sterilisation
- Beseitigung oder Abtötung aller MO (auch Inaktivierung Vieren), abgetötete Keime verbleiben mit sterilisierten Gut
- Vorraussetzung für mikrobiologisches Arbeiten
- Sekundärinfektion vermeiden für Aussagekraft
- mangelhafte Arbeitstechnik
- infizierte Gefäße, Arbeitsgeräte, Nährmedien
- Umgebungsluft
- Probenehmer
- Abtötung durch Hitze
- Denaturierung Zellproteine, Oxidation intrazelluläre Bestandteile (trockene Hitze)
- Parameter
- Art der Mikroorganismen
- Alter und Funktionszustand (vegetative Zellen oder Sporen)
- Milieubedingungen (pH-Wert)
- Ausgangskeimzahl
- Feuchte Hitze ist effektiver als trockene Hitze
- D-Wert (dezimale Reduktionszeit) = Zeit, die erforderlich ist, um unter genau definierten Bedingungen (z.B. bestimmte Temperatur) die Ausgangskeimzahl um einer 10er Potenz herabzusetzen
- Sterilisation durch trockene Hitze
- Vorteile
- keine Korrosion
- kene nachträgliche Trocknung
- Nachteile
- Luft schlechter Wärmeleiter → Kaltluftpolster vermeiden
- Temperatur des Sterilgutes hinkt oft beträchtlich hinterher
- Verfahren 2 h bei 180 °C oder 5 h bei 150 °C (Watte/Sterilstopfen) reine Sterilisationszeit
- Überbelegung vermeiden
- Vorteile
- Sterilisation durch Ausglühen oder Abflammen
- Bunsenbrennerflamme: hellblauer Innenkegel (300 °C, reduzierend), dunkelblauer Außenkegel (1500 °C, oxidierend)
- Ausglühen
- Impfösen, -nadeln bis Gelbglut ausglühen
- hochwirksam, Material stark angreifend, vor Gebrauch abkühlen
- Abflammen
- Benetzung mit 96 %-Ethanol
- für Pinzetten, Drigalskyspatel, Membranfiltrationsvorrichtungen
- nur overflächlich, Verbrennungsprodukte stören MO-Wachstum
- Sterilisation durch feuchte Hitze
- D-Werttrocken, 121 °C = 15-30 min → D-Wertfeucht, 121 °C = 1-3 min
- Autoklavieren
- einzig zuverlässiges Sterilisationsverfahren, Abtötung von Endosporen
- Aufheizen auf 100 °C, Druckaufbau in 15 min auf 1 bar → T steigt 121 °C
- Sterilisationsgut nimmt Dampftemperatur an, Ausgleichsphase (10 min)
- eigentliche Sterilisation, Haltephase (15-20 min)
- Abkühlphase (15 min)
- je größer das Volumen, desto länger ist die Ausgleichszeit
- Tyndallisation
- mehrmaliges Erhitzen auf 100 °C im Dampftopf, dazwischen Bebrütung um Sporen auszukeimen, die dann wieder abgetötet werden → umständlich, zeitraubend
- für nährstoffreiche, keimarme Medien, die Autoklavieren nicht vertragen (Vitamine, Zucker, Antibiotika)
- Kaltsterilisation
- Oberflächen- oder Tiefenfilter (Zellulose, Glas-, Kunstfasern, Glassinter, Keramik, Kieselgur)
- Filtration durch Über- bzw. Unterdruck
- Porengröße 0,2 µm bis 0,45 µm
- Keimabscheiderate = 107 Z/cm2 Filterfläche
- für hitzeempfindliche Flüssigkeiten (Zucker + Proteine), für Gase (Sterilluft)
- Sterilisation von Oberflächen
- UV-Strahlung
- nicht-ionisierend bei 260-280 bzw. 185 nm
- nur geringe Eindringtiefe
- nur zur Keimreduzierung von Luft und Oberflächen (Sterilbänke)
- verursacht strukturelle DNA-Veränderungen
- Einsatz in unbenutzten Räumen über Nacht
- kann Kunststoffe angreifen
- Gase
- Ethylenoxid → eingetütete Petrischalen, Reaktionsgefäße
- hochgiftig → kein Laboreinsatz, nur technischer Maßstab
- UV-Strahlung
- Kontrolle der Sterilität
- Stichproben
- Medien: Bebrütung 3 Tage bei 28 °C, 2 Tage Raumtemperatur
- Glaswaren: Ausspülen mit Nährmedien, Bebrüten 3 Tage bei 28 °C
- Verdünnungsflüssigkeiten: Gussplatte → 2 ml Untersuchungsflüssigkeit mit Nährboden aufgießen und bebrüten
- Arbeitstische + Oberflächen: Wischproben in Nährmedium und bebrüten, Abklatschpräparat
- während Sterilisation
- Thermoindikatoren, Indikatorbänder, Etiketten
- Bioindikatoren
- Teststreifen Sporen Bacillus subtilis, Bebrütung 7 Tage bei 37 °C
- Testampullen Bacillus stearothermophilus, Bebrütung 2 Tage bei 60 °C → Farbumschlag oder Trübung, Kontrolle mit nicht sterilisierter Ampulle
- Stichproben
Desinfektion
- ist die selektive Abtötung bzw. irreversible Inaktivierung aller Keime an und im kontaminierten Objekt
- nur Keimreduzierung (99,999 %)
- Wirkung abhängig von Verschmutzung, pH, Temperatur
- Händedesinfektion: 60-80 % Keimreduktion (Alkohol-Basis)
- Arbeitsflächen: Alkohol-Basis oder Formaldehyd
- Gerätedesinfektion: 1 h Desinfektionsbad Peroxyessigsäure oder Glutaraldehyd
Arbeiten mit Getränkeorganismen
- Vorraussetzung steriles Arbeiten und Erfahrung
- wichtig: Reinkulturen, Nährmedien/Kulturmethoden, Inkubationsbedingungen
- Kriterien
- Zellmorphologie: mikroskopische Analyse
- Koloniemorphologie: Wachstumseigenschaften, Kultivierung
- physiologisch-biochemische Eigenschaften: phänotypische Merkmale
- Stoffwechselprodukte
- cytochemische Eigenschaften: Zellwand, Färbemethoden
- genotypische Merkmale: Chromosomenausstattung, DNA-GC-Gehalt, DNA/DNA-Homologie, DNA-Sequenzen, DNA-Sonden
Zellmorphologie Bakterien, Hefen und Schimmelpilze
- Stäbchenförmige Bakterien
- Kokkoide Stäbchen
- Kurzstäbchen
- Langstäbchen (Länge > 2x Breite)
- Spirillen (starr)
- Vibrionen
- Spirochäten (flexibel)
- Kokkenförmige Bakterien
- Monokokken, Diplokokken (z.B. Micrococcus): Teilung nach einer Richtung des Raums
- Ketten (z.B. Streptococcus): Teilung nach ener Richtung
- Tetraden (z.B. Pediococcus): Teilung nach zwei Richtungen
- Platten (z.B. Micrococus): Teilung nach zwei Richtungen
- Pakete (z.B. Sarcina): Teilung nach drei Richtungen
- Haufen (z.B. Staphylococcus): Teilung nach drei Richtungen
- Wachstumsformen
- Kettenbildung (z.B. Lactobacillus casei, Lactobacillus lindneri)
- Fadenbildung (z.B. Lactobacillus brevis)
- Gekrümmte Stäbchen (z.B. Lactobacillus curvatus)
- Corynefome Bakterien (z.B. Lactobacillus coryniformis)
- Kaspelbildung (z.B. Leuconostoc mesenteroides, Lactobacillus frigidus)
- Zellagglomerate (z.B. Enterobacter agglomerans)
- Pallisadenanordnung (z.B. Bacillus subtilis)
- Pleomorphismus (z.B. Arthrobacter sp.)
- Involutionsformen, Irreguläre Zellformen
- Sporenbildung (z.B. Bacillus sp.)
- Begeißelung von Bakterien
- Monopolar monotrich
- Monopolar polytrich (lophotrich)
- Bipolar polytrich (amphitrich)
- Peritrich
- Lateral polytrich
- Bakterielle Endosporen
- Zentral, Form Mutterzelle erhalten (z.B. Bacillus megaterium)
- Zentral, Mutterzelle aufgetrieben = Clostridium-Form (z.B. Bacillus polymyxa)
- Terminal, Form Mutterzelle erhalten (z.B. Bacillus thuringiensis)
- Terminal, Mutterzelle aufgetrieben (z.B. Clostridium perfringens)
- Terminal, Mutterzelle aufgetrieben, Spore rund = Plectridium-Form (z.B. Bacillus sphaericus)
- Lateral, Mutterzelle aufgetrieben (z.B. Bacillus laterosporus)
- Subterminal, Mutterzelle aufgetrieben (z.B. Clostridium acetobutylicum)
- Vegetative Vermehrung von Hefen
- Sprossung: häufigste Vermehrungsform = inäquale Teilung (z.B. Saccharomyces)
- Sprossung und Spaltung (nur bei Saccharomycodes)
- Spaltung: äquale Teilung (nur bei Schizosaccharomyces)
- Sparriger Sprossverband (z.B. Saccharomyces cerevisiae)
- Geradliniger Sprossverband (z.B. Saccharomyces cervisiae ssp. ellipsoideus)
- Sprossmycel = Pseudomycel: unechte Verzweigungen (z.B. Candida)
- fadenförmiges Pseudomycel (Pseudohyphen) (z.B. Brettanomyces anomylus)
- Sprossungstypen von Hefen
- Schultersprossung (z.B. Saccharomyces cerevisiae)
- Wegweiserform (z.B. Saccharomyes pastorians)
- Multilaterale Sprosung (z.B. Saccharomyces)
- Kronensprossung (z.B. Debaryomyces hansenii)
- polare, bipolare oder apikale Sprossung (z.B. Saccharomyces ludwigii, Kloeckera apiculata)
- allseitige Sprossung (z.B. Debaryomyces hansenii)
- ogivale Sprossung (z.B. Brettanomyces)
- Trianguläre Sprossung (z.B. Trigonopsis)
- aeroplane Sprossung (z.B. Candida reukauffii)
- Kreuzsprossung (z.B. Candida reukauffii)
- Echte Myzelien bei Euascomyceten
(BILD) einfügen
Seiten Revision: 4, zuletzt bearbeitet: 05 Mar 2011 14:58





