Kapitel 5 - Hefemanagement

Hefestammhaltung und Hefereinzucht

  • Übersicht Hefemanagement aus dem Skript S.2

Hefestammwahl

  • Stammwürzekonzentration
  • max. Gärtemperatur, Temperaturführung
  • Gärführung
  • Angärgeschwindigkeit
  • Extraktabbau/Vergärungsgrad
  • Zellvermehrung
  • Diacetylbildung/-abbau
  • Gärungsnebenproduktbildung
  • SO2-Bildung
  • Sedimentionsverhalten
  • sensorische Bierqualität
  • Schaumstabilität

Methoden Hefestammhaltung

  • Schrägagarkultur
    • Rekultivierung alle 4 Wochen
    • bei Parafinüberschichtung alle 3 Monate
  • Gefriertrocknung
    • -40 °C flüssiges CO2 -> Verdampfung bei -5 °C
    • min. 1 Jahr haltbar
  • direktes Einfrieren
    • -196 °C oder -80 °C (50% Glycerin) (Vermeidung Eiskristalle)
    • min. 1 Jahr haltbar
  • Trocknung (Industrieanwendung)
  • Prüfung auf Reinheit und Einheitlichkeit
    • auf Verdünnungsausstriche unterschiedliche Koloniemorphologien
    • konventionelle stammspezifische Differenzierung über physiologische produktrelevante Eigenschaften
    • Karyotyp-Analyse, Mikrosatelliten-Typisierung, AFLP (amplified fragment-length polymorphism) liefern eindeutige Differenzierungen

Hefereinzucht

Anzeichen Degeneration Hefesatz

  • flockiger Hefesatz
  • Gärung langsamer, nicht vollständig
  • Gärintensität im Labor nach wenigen Führungen schlechter
  • Reifungsprozess dauert länger
  • mehr höhere Alkohole statt Ester -> weniger aromatisch, mehr trocken
  • Schaumhaltbarkeit nimmt ab
  • Vitalität nimmt ab, Totanteil steigt -> hefiger Autolysegeschmack
  • FAN und pH im Fertigbier steigt (weniger Verwertung alpha-Aminostickstoff)
  • Verschlechterung Geschmacksstabilität (Reduktionsvermögen nimmt ab)

eigene Reinzucht im Labor

  • eigener Hefestamm, individuelles Bier
  • geringeres biologisches Risiko
  • reproduzierbare Hefequalität
  • Unabhänigkeit vom Lieferanten
  1. Selektion eines geeigneten Stamms (Probegärung)
  2. Isolation einzelner Zelle
  3. Weiterführung in Würze bis Carlsbergkolben (10 ml, 100ml, 1l, 10l)

Sauerstoff

Ziele

  • Herführung vitale, gärkräftige Hefe
  • sterile Bedingungen
  • richtiger Zeitrahmen
  • geringe Laborhefemenge für große Reinzuchtmenge
  • Steuerung über Temperatur (5 °C über Gärtemperatur)
  • moderate Belüftung (Kontrolle durch Hefezellzahl und Extrakt)
  • => hohe Zellzahl bei niedrigem Vergärungsgrad

Maximale Sauerstoffaufnahmerate

  • Oxygen Uptake Rate (OUR)
  • 0-10h -> 70% Sättigung : 7,8 mg/g*h
  • 10-20h -> 40% Sättigung : -9 mg/g*h
  • 20-40h -> 0% Sättigung : 13,2 mg/g*h

Viel hilft viel

  • (+) gute Durchmischung, kein Sedimentbildung
  • (+) Erhalt wirksame Hefeoberfläche
  • (+) wirksame CO2-Entfernung
  • (-) kostenintensiv
  • (-) 50 % Steigraum nötig
  • (-) Verlust schaumpositive Inhaltsstoffe
  • (-) übermäßige Oxidation
  • (-) oxidativer Stress Hefezelle
  • (-) Erhöhung Hefemutation

=> Steuerung über genauen Sauerstoffbedarf

Sauerstoffaufnahmesystematik

Teilmodell 1: Sauerstoffbedarf
(1)
\begin{align} OD = \Delta X \cdot od \end{align}
(2)
\begin{align} V_{O_2} = \frac{OD}{\rho_{O_2}} \end{align}
(3)
\begin{align} V_{Luft} = \frac{V_{O_2}}{\varphi_{O_2}} \end{align}
Teilmodell 2: Sauerstoffübergang
(4)
\begin{align} OD_{max} = \Delta X(t) \cdot od \end{align}
(5)
\begin{align} r_{O_2} = X(t) \cdot OUR \end{align}
(6)
\begin{align} t_Z = \frac{OD_{max}}{r_{O_2,d}} \end{align}
(7)
\begin{align} \frac{X}{dt} = \mu \cdot X \end{align}
  • benötigter Sauerstoff wird in beiden Phasen in Hälfte der Prozesszeit aufgenommen
  • O2-Aufnahme unabhängig von O2-Konzentration in Lösung
  • O2 in Lösung wird unter diesen Bedingungen vollständig verbraucht
Teilmodell 3: Sauerstoffaufnahme
  • Abschätzung erforderliche Belüftungszeit von Hefefermentation
  • OTR = O2-Transportrate
(8)
\begin{align} t_B = \frac{c_{L,O_2,max}}{OTR} \end{align}
(9)
\begin{align} n_Z = \frac{OD_{max}}{c_{L,O_2,max}} \end{align}

Trockenhefe

  • kleine Brauereien ohen Hefeherführung
  • Versendung zu Lizenzbetrieben
  • Spezialbiere
  • Backup
  • (+) einfache Lagerung
  • (+) wesentlich längere Haltbarkeit
  • (+) einfacher Transport
  • (+) einfaches Handling
  • (+) keine Vermehrung nötig
  • (-) >50 % tote Zellen
  • (-) mikrobiologische Sicherheit
  • (-) Qualitätskonstanz

Hefeherführung

Konventionelle Herführung

  • Würzegabe im Hochkräusenstadium
  • Anpassung Temperatur an Anstelltemperatur

Moderne Hefeherführung (Propagation)

  • in geschlossenen Anlagen
  • ständige oder Intervall-Belüftung
  • Umwälzen durch Rühren oder Pumpen
  • (+) höhere Wachstumsraten
  • (+) bessere Physiologie (Enzyme, Lipidsynthese)
  • (+) ausreichend Hefe in kurzer Zeit
  • (+) hohe mikrobiologische Sicherheit
  • (+) reproduzierbare Gärverläufte
  • (+) hoher Automatisierungsgrad
  • (+) schnelle und effektiviere Veläufe in Bezug Qualität
  • (-) keine konstante Hefe-/Jungbierqualität über Prozess
  • (-) hohe Zellzahlen garantieren keine Qualität
  • (-) starke Nährstoffzehrung über Prozess
  • (-) Crabtree-Effekt (Repression aerober Stoffwechsel)
  • (-) Temperatur effektivster Parameter
  • (-) O2-Zufuhr auch ausreichen bei hohen Wachstumsraten
  • (-) O2-Versorung unabhängig von O2-Konzentration

Sequencing Batch

  1. Inokulation der Reinzucht
  2. kontinuierliche/Intervallbelüftung, Rühren, Umpumpen
  3. Hefeentnahme in exponentieller Phase
  4. Auffüllen mit frischer Würze

Zweitank-Propagationsanlage

  1. Belüften/Kühlen Propagationstank
  2. Sterilisation Vermehrungstank
  3. Umpumpen Propagation -> Vermehrung, dort Belüften/Kühlen
  4. Sterilistaion Propagationstank
  5. Befüllen Propagation, Entleeren Vermehrung

Propagationsanlagen

  • direkte Tankbelüftung
    • Belüftungsring
    • Belüftungslanze
    • Belüftungskugel
    • Rührwerk
  • Belüftung Umpumpleitung
    • frequenzgesteuerte Pumpe und Belüftungsdüse
    • Düsenwahl wichtig (Scherkräfte -> neg. Filtrierbarkeit)

Hefeassimilation

  • Merkmale
    • Zellen in log-Phase
    • keine zusätzliche Würzebehandlung
    • Ein- oder Mehrtankverfahren, Umpumpvorrichtung
    • Belüftungseinrichtung
    • Repeated-Fed-Batch-Verfahren
  • Einflussfaktoren
    • Wachstumsbedingungen
    • brauereispezifische, technologische Aspekte
    • geometrische Verhältnisse
    • -> gezielte Abstimmung für optimale Vermehrung
  • Steuerungsparameter
    • Temperatur (18 °C 1d, 12 °C 3d)
    • Extrakt, Mischungsverhältnis
    • Sauerstoffversorgung
    • CO2-Gehalt

Hefebehandlung

Hefeernte

  • Bottichgärung gleich nach Schlauchen
  • ZKG so oft und so zeitig wie möglich
    • Nährstoffmangel, hoher Druck schwächen Hefe
    • schnelle Abtrennung -> weniger Autolyse und Exkretion
  • langsames Abziehen im Konus
    • Vermeidung Trichterbildung
    • polierter Konus, pulsierende Pumpen

Behandlung der Erntehefe

  • schonende Druckentlastung
  • Hefesieb, Wäsche
  • Hefekühlen (1-3 °C)
  • Hefelagerung (20-50 % Wasserzusatz)
  • Lagerzeit so kurz wie möglich

Hefesieb

  • CO2-Entfernung
  • Belüftung
  • Entfernung von Verunreinigungen auf Zelloberfläche
  • (+) Vergärungsgrad steigt
  • (+) Viabilität steigt

Hefekühler

  • Erhöhung der Lagerdauer durch Erhalt des Lebendanteils

Hefelagerung

  • gute Seperation von Trub und toten Zellen
  • CO2-Entfernung und Druckentlastung
  • Aufbewahrungstempeatur 2-4 °C
  • keine Belüftung während Lagerung
  • Homogenisierung
  • Aktivierung vor Wiederanstellen durch Homogenisieren und Belüften
  • Hefelagertank
    • Kühlzonen (Konus)
    • Homogenisierungseinrichtung (Umpumpleitung, Rührwerk)
    • Belüftungsmöglichkeit (intern/extern)

Versorgung mit Sauerstoff

  • Hefeherführung
    • Propagation
    • Herführung unter aeroben Bedingungen
  • Flotation (evtl. Zweitbelüftung)
  • Würzebelüftung
    • Heißbelüftung
    • Kaltbelüftung
    • Begasung mit O2
    • Begasung mit Luft
  • Sauerstoff als Wachstumsfaktor
    • Synthese von Sterolen
    • Synthese von Fettsäuren als Vorläufer von Lipiden
    • Mitochondrienbildung (Lokalisation wichtiger Enzyme)
    • Regulation der Genexpression (aerob/anaerob)
    • aber auch Stressfaktor durch reaktive Radikale

Luft oder Reinsauerstoff?

  • Luft
    • Sterilluftversorgung meist vorhanden
    • Ausreichende O2-Versorgung (8-10 mg/l)
    • höheres Gasvolumen (mehr Oberfläche)
  • O2
    • Alternative bei fehlender Druckluftversorgung
    • nötig bei höherem Bedarf (high gravity)
    • Gefahr Überdosierung (> 40 ppm)
    • Geschmacksveränderungen
    • toxischer Effekt

Belüftungseinrichtungen

  • Belüftungskerzen
    • Sintermetall
    • Keramik
    • Porengröße 5 µm, Nachschalten Mischer
  • Schälscheibe Heißwürzeseperators (Druckentlastung Zentrifuge und Kühler)
  • Zentrifugalmischer
  • Vertouridüse/Zweistoffdüse
    • Verengung Würzeleitung (Steigerung Würzegeschwindigkeit)
    • Einziehen Luft
    • Druckentlastung (Querschnittserweiterung)
    • feinste Zerschlagung Luftblasen

Hefegabe

  • nach Masse: 0,5 l dickbreiig/ h
  • nach Zellzahl: 10-15 Mio Z./ml (30 für Starkbier, High Gravity)
  • Formen der Gabe
    • nur aus Reinzucht
      • (+) hohe Vitabilitäat
      • (+) schnelle Vermehrung
      • (+) einfache Dosage
      • (+) schnell, weitreichender pH-Sturz
      • (+) mikrobiologische Sicherheit
      • (+) niedrig Diacetyl
      • (+) konstant hohe Qualität
      • (-) hohe Investitionskosten
      • (-) hohes Tankvolumen
    • nur aus Ernte
      • (+) evtl. schneller Extraktabbau
      • (+) niedriger Althefeanteil
      • (+) niedrige Investtionskosten
      • (-) mikrobiologisches Risiko
      • (-) Hefeautolysat
      • (-) Qualitätsschwankungen
      • (-) Hefeaufbewahrung
    • Mischung aus Reinzucht/Ernte
      • (+) Beschleunigte Angärphase
      • (+) konstant hohe Qualität
      • (+) weniger Althefeanteil, weniger Reinzucht nötig
      • (+) hohe Flexibiliät, niedrigere Investionsvolumen
      • (-) mikrobiologisches Risiko
      • (-) Bedarf Erntehefetanks
      • (-) arbeitsintensiv
    • durch Kräusen aus Drauflassverfahren

Hefebier und Überschusshefe

  • Überschusshefe 2-3% vom Gesamtbierausstoß
  • 50 % der Hefefeuchtmasse können als Bier zurückgewonnen werden

Rückgewinnung

Filtersysteme

  • Filterpresse
    • Kuchenfiltration unter Auspressen
    • hohe Feststoffkonzentration (bis 30 %)
    • geringer Energiebedarf
    • viel manuelle Arbeit
    • schlechte Bierqualität
      • keine CO2-Atmosphäre
      • O2 Aufnahme
      • hohe Filtrationstemperatur
      • hohe Stressbelastung für Hefe
  • CrossFlow-Verfahren
    • Membranprozess
    • Feststoffkonzentration 18-20%
    • klar definierte Rückhalterate
    • automatsiches System
    • CrossFlow ist druckabhängig -> viel Energie
    • Abweichung von Bierqualität
      • hohe Filtrationstemperatur (12-15 °C)
      • hohe Geschwindigkeit (3-5 m/s)
      • hohe Zyklusanzahl (bis 450 Umläufe)
  • VMF (Vibratory Membrane Filtration)
    • Membranprozess
    • definierte Rückhalterate
    • Bierausbeuten 50-65%
    • Überströmung druckunabhängig -> wenig Energie
    • kein Einfluss auf Bierqualität
      • Filtrationstemperatur 5-8 °C
      • geringe Geschwindigkeit 0.01 m/s
      • minimale Umwälzung (ca. 10)
  • Zentrifuge/Dekanter
    • Sedimentation im Zentrifugalkraftfeld
    • Feststoffkonzentration bis 22%
    • hohe Leistungsaufnahme
    • automatisches System
    • nicht definierte Bierqualität
      • schlecht definierte Abscheidung
      • varrierende Qualtität
      • Trübung, biosche Belastung

Dosage von Hefebieren

  • Heißbereich
    • Würzepfanne, Whirlpool
    • Verdampfungsverluste
    • schlechte Alterungsstabilität
  • Kaltbereich
    • Gärkeller, Lagerkeller, Filtration
    • Beeinflussung Biereigenschaften erst bei höheren Dosagen
    • signifikante Beeinflussung Sensorik nur bei qualitativ schlechtem Hefebier
    • deutliche Verringung 2-Furfural

Aufbewahrung Hefebier

  • bei zu hohen Temperaturen
    • Zunahme kurz- und mittelkettigen Fettsäuren
    • Abnahme Ester
    • Anstieg Aktivität Proteinase A
    • deutliche Zunahme FAN
  • Aufbewahrung so kurz wie möglich
  • T < 4 °C
  • KZE -> Inaktivierung Proteinase A (sonst Strecker-Aldehyde durch FAN)
  • Gelägerhefe nicht verwenden
  • Hefebier nochmals Gären (mittelkettige Fettsäuren)

Abfallhefe

  • 15-18 t / 10000 hl Verkaufsbier
  • hoher CSB-Wert (0,53 kg/hl) -> nicht Abwasser
  • Entsorgung: Trocknen als Mischfutter in Viehindustrie
  • Vitamingewinnung Pharmazie
  • Verwertung Biogasanlage
  • Verwertung Verbrennungsanlage (vorher Trocknen)
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