Enzymatische Degradation (Maischen)
Einführung
- Aufgaben des Maischens
- Lösung der Malzbestandteile in Wasser
- Abbau höhermolekularer Malzbestandteile, abhängig vom Biertyp
- Ziele des Maischens
- problemlose Verarbeitung downstream
- optimale Extraktausbeute
- einfaches, wirtschaftliches Maischverfahren
- geeignete Würzezusammensetzung für resultierenden Biertyp und schnelle und weitgehende Vergärung
- keine negativen Einflüsse auf nachfolgende Verfahrensschritte
- Ablauf des Maischens
- Einmaischen : Schrot + Wasser (Hauptguss) mischen
- 35-40 °C: Vorlösen Malzschrot (optional)
- 50-55 °C: Abbau von Eiweiß, Gummistoffen und Phosphaten
- 62 °C: Optimum der ß-Amylase
- 72 °C: Optimum der α-Amylase (Verzuckerungsrast)
- 78 °C: Erreichen Abmaischtemperatur
- Maischparameter
- Malz (Qualität, Sorte)
- Brauwasser
- Ionengehalt und Restalkalität entscheidend
- HCO3--Ionen aciditätsvernichtend, Ca2+- und Mg2+-Ionen aciditätsfördernd
- RA = Gesamtalkalität - (CaH + 0,5 MgH) / 3,5
- + 10 RA = + 0,5 Maische-pH
- wenn RA > 5 °dH: dunklere Farbe, stärkere Spelzenauslaugung, sinkende Extraktausbeute, "breiterer" Geschmack
- Ionengehalt und Restalkalität entscheidend
- technische Einrichtung
- Verfahren (Dekoktion, Vibration)
- Aufschluss durch Dekoktionsverfahren
- thermischer Aufschluss der Malzbestandteile
- Aufheizen durch Zubrühen der Kochmaische
- Vorteil: höhere Extraktausbeuten, vollmundigere Biere
- Nachteil: thermische Belastung, Zeitaufwand, Energieeinsatz, Maischepfanne oder Rohfruchtkocher notwendig
- Aufschluss durch Vibration
- Vibration im Maischebehälter (ca. 100 Hz)
- Erhöhung Extraktausbeute
- Verbesserung Abläuterung
- Reduzierung Sauerstoffbelastung
- Aufschluss durch Dekoktionsverfahren
- pH-Wert (biologische Säuerung)
- Aktivierung aller wichtigen Enzyme (außer α-Amylase)
- Abschwächung unerwünschter Enzyme
- bessere Bruchbildung
- erhöhtes Wuchsstoffangebot (Zink)
- höheres Redoxpotential
- schnellerer Gärverlauf
- bessere Filtrierbarkeit
- weicherer Geschmack, feinere Bittere
- erhöhte Rezenz, hellere Farbe, verbesserter Schaum
- Anregung der menschlichen Stoffwechseltätigkeit
- verbesserte Verdauung
- Temperatur
- Verkleisterungstemperatur beachten
- Einfluss auf Enzymaktivität (Proteolyse, Cytolyse, Amylolyse)
- durch Temperaturführung wird maßgeblich die resultierende Bierqualität beeinflusst
- Zeit, Rasten (vergärbare - unvergärbare Substanzen)
- Gussführung
- Einfluss Hauptgussmenge
- Konsistenz der Maische
- Konzentration der Vorderwürze
- Menge an Anschwänzwasser
- enzymatische Prozesse
- Würzezusammensetzung
- Extraktausbeute
- Schutzkolloidwirkung
- → dünne Vorderwürzen geben mehr "Edelextrakt" → hellere Farben, milderer Geschmack
- Berechnung Hauptgussmenge $W = \frac{100 \cdot A}{V} - A$
hell 4 hl/100 kg Malz; dunkel 3 hl/100 kg Malz - Berechnung Vorderwürzekonzentration $V = \frac{100 \cdot A}{A + W}$
- Einfluss Hauptgussmenge
- Schrotung (Sortierung)
- Bewertung durch
- Abläuterzeit (Filtrierbarkeit)
- Sudhausausbeute
- aufschließbarer Extrakt im Treber
- Einfluss auf Würzezusammensetzung
- gezielter Einsatz von Malzmehl-Fraktionen
- Vormaischen bzw. Zumaischen von Teilfraktionen
- → grobes Schrot erfordert intensiveres Maischen
- Bewertung durch
- Enzyme
- Einkettenangriff (Anlagerung, nach 1. Abbau weitere Spaltungen bis Substrat verbraucht, Verbindung mit neuen Substratmolekül)
- Mehrkettenangriff (Spaltung einer Bindung und Verbindung mit neuem Substratmolekül)
- Mehrfachangriff (Amylasen, nach Bindung mehrere katalytische Schritte, Trennung und Neubindung vor vollständigem Abbau)
- Sauerstoffeintrag
Technische Ausstattung
- Wassermischer
- Ziel: gleichmäßige Wassertemperatur während des gesamten Einmaischens
- Einmaischvorrichtungen (schnelles und homogenes Vermischen von Malzschrot und Brauwasser, Durchfeuchtung des Schrotes)
- "klassischer" Vormaischer, Kugelvormaischer
- AlloySius ® (Ringspalt, Präzisionsdüse)
- Mechamasher ® (Schnecke zur Vermischung von Schrot und Wasser)
- Maischgefäße
- Ziel: gleichmäßiger Wärmeübergang, homogene Durchmischung der Maische
- Vibrationselemente (ShakesBeer ®)
- AflosJet ®
- Dampfinjektion in Maische zum Heizen
- Scherkraftarme Rührer
- Rührwerke
- Ziel: homogene Durchmischung der Maische mit geringer Scherbelastung
- moderne Rührwerke haben bessere Aufheizraten, kleinere Differenztemperaturen und größere Durchmesser
Cytolyse
- Stütz- und Gerüstsubstanzen
- Zellwandpolysaccharide (Hemizellulosen), unlöslich in H2O, löslich in verd. Alkalien, 10 % des Korns, 1/5 davon wasserlösl., Rest muss abgebaut werden
- Gummistoffe, löslich in H2O, Abbauprodukt Hemizellulosen, 80-90 % Glucane, 10-20 % Pentosane
- Abbau der Zellwandpolysaccharide: beim Mälzen Abbau je nach Lösungsgrad, beim Maischen teilweise in Lösung, aber kein ausreichender Abbau
- unzureichender Abbau führt zu Abläuter- und Filtrationsproblemen
- ß-Glucane & Pentosane
- ß-Glucane
- polymere KH aus ß-D-Glucose, 74 % ß-1-4-Bindungen, 26 % ß-1-3-Bindungen
- nach Hydrolyse der Esterbindungen löslich, hochviskose (Molgewicht > 200.00, Färbung mit Calcofluor > 10.000)
- teilweiser Abbau beim Mälzen → Glucandextrine mit geringer Viskosität
- Pentosane
- nur geringe Veränderung und kaum Bedeutung für Viskosität bei Gerstenmalz
- Bedeutsam für Viskosität bei Weizen- und Roggenmalz
- ß-Glucane
- cytolytische Enzyme
- ß-Glucan-Abbau
- Endo-ß-1,4-Glucanase (bereits in ruhender Gerste, temperaturempfindlich)
- Endo-ß-1,3-Glucanase (Bildung erst bei der Keimung)
- ß-Glucan-Solubilase (bereits in ungekeimter Gerste)
- Exo-ß-Glucanase / Cellobiase / Laminaribiase (keine große Bedeutung)
- Pentosan-Abbau
- Endo-Xylanase
- Exo-Xylanase
- Arabinosidase
- ß-Glucan-Abbau
- cytolytischer Abbau
- Malzqualität (Lösungsgrad) ist entscheidend für freigesetztes ß-Glucan
- freie Gummistoffe und Abbauprodukte gehen in Lösung (Erhöhung der Viskosität)
- 35-50 °C Abbau durch Endo-ß-Glucanase (Erniedrigung Viskosität)
- 45-55 °C Lösen und Freisetzen ß-Glucan, nur noch langsamer Abbau
- 60-70 °C Freisetzung ß-Glucan durch ß-Glucan-Solubilase
- 70 °C ß-Glucan unverändert
- technologische Einflussnahme
- Malzqualität (Sorten, Inhomogenitäten, Enzymgehalt)
- Schrotung (feines Schrot → mehr ß-Glucan in Lösung)
- Maischprozess (Dekoktion: mehr Aufschluss aber noch Abbau; tiefe Einmaischtemperatur 35-50 °C deutlicher Abbau)
- hohe Einmaischtemperatur, schlecht gelöstes Malz (Schwebstoffe in Würze, Verstopfen des Treberkuchens)
- Maischesäuerung (positiv bei Wintergerste, zu starke Säuerung → Anstieg Viskosität (Amylolyse))
- Spitzmalz oder Rohfrucht (starker ß-Glucananstieg)
- Analysen
- Methylenblau-Test (Calcofluor-Test)
- Hoch-Kurz-Maischverfahren erhöht Viskosität und ß-Glucan bei schlecht gelösten Malzen
- Homogenität von Malz sollte min. 70 besser 75 % erreichen.
Polyphenole
- Polyphenolgehalt in Gerstentrockensubstanz: 0,3-0,4 %
- Einfluss bei Keimung
- hohe Auflösung → lösl. Polyphenole nehmen zu
- niedrige Eiweißgehalte → Polyphenole nehmen zu
- hohe Abdarrtemperatur → lösl. Polyphenole nehmen zu
- Einfluss beim Maischen
- Freisetzung parallel Eiweißabbau
- Fällung hochmolekularen Eiweiß > 50 °C
- enzymatische Oxidation (größere PP-Einheiten, Erhöhung PI, stärkere Ausfällung mit Eiweiß)
- Analytik
- Polymerisationsindex = Gesamtpolyphenole / Anthocyanogene (Verfolgung der O2-Aufnahme)
- Tannoide (Molgewicht 600-3.000, gerbend, Fällungsreaktion)
- Anthocyanogene
- Dimere und Trimere werden beim Maischen gelöst, dann oxidiert und gefällt
- Catechin, Epicatechin, Procyanidin I/II, Prodelphinidin I/II
- technologische Einflussnahme
- Schrotzusammensetzung
- Maische-pH (niedrige RA, Maischesäuerung)
- Maischverfahren (niedrige Einmaischtemperatur)
- Sauerstoff beim Maischen (Vermeidung von Lufteintrag)
- Bedeutung der Polyphenole
- Geschmacksbeeinflussung: breitere nachhängende Bittere, Erhöhung Vollmundigkeit, dunklere Farbe durch Oxidation der PP
- Verschlechterung Schaumstabilität durch Verlust an hochmolekularem N
- Erhöhte Stabilität (Förderung Fällungsreaktionen, reduzierende Eigenschaften niedermolekularen PP)
- Polyphenole sind in der Würze zahlreich und bei niedriegem PI erwünscht
Proteolyse
- Einfluss der Eiweißstoffe
- Biergeschmack, Vollmundigkeit
- Geschmackstabilität
- Bierschaum
- Farbkomponenten
- Hefenahrung
- chem.-phys. Stabilität
- Puffersubstanzen
- Beeinflussung der Proteolyse durch das Maischen ist nicht so stark wie beim Mälzen (während der Stärkeabbau durch das Maischen 10fach so stark beeinflusst wird)
- Eigenschaften der Proteine
- kolloidale Eigenschaften
- quellbar und entquellbar
- keine Diffusion durch Membranen
- oberflächenaktive Substanzen
- amphoter
- Stickstoff-Fraktionen einer ungekochten Würze
- 20 % hochmolekular, davon 7 % koagulierbar
- 20 % mittelmolekular
- 60 % niedermolekular, davon 33 % Formolstickstoff und 22 % FAN
- Abbau der Eiweißstoffe
- enzymatisch durch Endo- und Exopepdidasen
- Ausfällungen durch höhere Temperaturen oder niedrigem pH Wert
- Denaturieren durch Erhitzen (Verlust Hydratationswasser, Zerstörung der H- und S-S-Brücken, Verlust Tertiär- und Quartärstruktur)
- → Koagulation (Agglomeration denaturierter Proteine zu makromolekularen Partikeln)
- Dehyratation durch Polyphenole, Alkohol, Salze, Entquellungsmittel, pH-Absenkung, mechanische Einflüsse beeinflusst.
- Zusammensetzung der Proteine
- Albumine
- löslich in H2O und verd. HCl, 52 °C Ausfällung
- I.P. 4,9-5,7
- Globuline
- löslich in verd. HCl, 90 °C Koagulation
- I.P. 4,9-5,7
- Gluteline
- löslich in Alkalien, hydrophob → Absorption Lipide
- v.a. in Zellwänden, mehrere Fraktionen
- Prolamine (Hordeine)
- löslich in Ethanol, viel Prolin, Glutaminsäure, Cystein, Cystin
- Reserveproteine (z.T. beim Mälzen nicht abgebaut, beim Maischen nicht verändert → Bestimmung Gerstensorte)
- 2. Hordeinfraktion (Extraktion Mercaptoethanol) → Cystein/Cystin-reich → Differenz gibt Aussage über Sorte, Umwelt und Auflösung
- Proteide (Phospho-, Lipo-, Glycoproteide)
- genuines Eiweiß (Abbau beim Mälzen)
- Glycoproteide
- wirken schaumpositiv (kovalent gebundene Kohlenhydratgruppe, O-/N-glycosidisch)
- Freisetzung bei 70-72 °C, aber kein Abbau mehr
- Albumine
- proteolytische Enzyme
- Endopeptidasen
- 5 verschiedene: 2 Sulfhydryl-Enzyme + 3 Metall-aktivierte
- Exopeptidasen
- 4 neutrale Aminopeptidasen
- 1 alkalische Leucinamiopeptidase
- 1 Dipeptidase
- 4 Carboxypeptidasen (80 % für FAN verantwortlich)
- Desmo-Protease
- Endopeptidasen
- Ablauf Proteolyse
- Inlösungehen der beim Mälzen gelösten Stickstoffverbindungen
- Proteolytische Lösung derselben zu niedermolekularen Substanzen
- Angriff auf ursprünglich unlösliche Eiweissstoffe
- Beschränkung durch Prolamine (Gelproteine)
- Ziel der Proteolyse
- FAN (Hefenahrung, flotte Gärung, Gärungsnebenprodukte)
- Schaum durch hochmolekularen N
- Abbau trübungsaktiver Substanzen
- Kontrolle Eiweißabbau
- Steuerung der Proteolyse
- Endopeptidasen: Erhöhung lösl. N, Freisetzung Polypeptide
- Exopeptidasen: Freisetzung AS
- 45 °C-Rasten: mehr FAN
55 °C-Rasten: mehr hochmolekularen N - hohe Carboxyaktivität: nicht unbedingt Anstieg der AS
Mangel an Endopeptidasen: auf alle Fälle Mangel an AS
- Sauerstoff beim Maischen
- Hordeinfraktion (Cystein, Cystin Oxidation S-S-Brücken, nur teilweiser Abbau)
- Gelproteine (Prolamine)
- Reduktion und Oxidation der S-S-Brücken
- Einschluss Gluteline, Albuminen, Absorption Lipde, Anlagerung Stärke, Pentosan, ß-Glucan
- Behinderung Enzyme, langsame Abläuterung, Extraktverluste
- Kontrolle Proteolyse
- zu weitgehend
- Verarmung schaumpositiver Gruppen
- weniger Vollmundigkeit, weniger Reszenz
- zu knapp
- Mangel an AS für Hefe (→ langsame Gärung, schleppende Nachgärung, unerwünschte GNP)
- schlechter Schaum wg. Gärung (Proteasen, mittelkettige FS)
- trübungsaktives Eiweiß im Bier
- trübes Läutern (langkettige FS)
- Heiß- und Kühltrubausscheidung schlecht
- → Geschmack breit, nachhängende Eiweißbittere
- zu weitgehend
- Kontrolle Proteolyse
- Fraktionierung des lösl. N (hochmolekular → Schaum, mittelmolekular, niedermolekular → assimilierbare Peptide
- Bestimmung Molekularfraktionen (Gelchromatographie)
- Maischintensität nach Kolbach (lösl. N Aususchlagwürze / lösl. N Kongresswürze mit Betriebshopfung
Normwert: 85-120 % (Mittel 104 %) - in Praxis oft kompliziert und wenig aussagekräftig
Amylolyse
- Zusammensetzung Gerstenstärke
- Stärkekörner im Endosperm umgeben von Zellwänden und Proteinen
- Große Körner 10 % Anzahl, aber 90 % Masse
- Amylose und Amylopektin
- im Malz 98 % chemisch reine Stärke
- Iodreaktion: Einlagerung in Hohlräume ab > 9 Moleküle (nur in Kälte)
- Verhalten von Stärke beim Maischen
- > 50 °C: Aufschlämmen und Quellen
- > 62-68 °C: Verkleistern & Gelbildung
- > 50 °C enzymatischer Abbau
- Amylose
- 25 % der Gesamtstärke
- 60-2000 Glucose-Reste, 6 Moleküle je Windung, 10.000-500.000 Da, α-1-4-Bindungen
- Iodfärbung rein blau, kristallisierbar
- Bildung von Stärkesol in wässriger Lösung (Ausscheidung nach längerer Zeit → Retrodegradation)
- Amylopektin
- 75 % der Gesamtstärke
- 6.000-40.000 Glucose-Reste, alle 7-8 Einheiten Verzweigung, 1-6 * 106Da, α-1-4- & α-1-6-Bindungen, 0,23 % Phosphat
- Iodfärbung violett bis rot
- Bildung von Stärkegel beim Erhitzen → stabilisiert in Lösung
- α-Amylase
- α-1-4-Glucan-4-glucanhydrolase
- Stärke → Oligosaccharide, Maltotriose
- Endoenzym
- Viskosität sinkt, keine Jodreaktion
- ß-Amylase
- α-1-4-Glucanmaltrohydrolase
- Stärke → Maltose, ß-Grenzdextrin
- Exoenzym
- Viskosität hoch, Jodreaktion nimmt langsam ab
- kombinierte Wirkung stärkeabbauender Enzyme
max. erreichbare Menge vergärbarer Zucker 72 %
unter Normalbedingungen: 64-67 % → EV°: 79-83 % - Abbauprodukte bzw. Würzezusammensetzung
- Amylolyse in Praxis
- Iodnormalität
- < 9 Glucose bei linearen Dextrinen
- < 60 Glucose bei verzweigten Dextrinen
- auch nach Eintreten der Jodnormalität weiterhin Abbau
- Endvergärungsgrad
- helle Biere 78-85 %
- dunkle Biere: 68-75 %
- Einfluss auf Vergärbarkeit
- Menge amylolytische Enzyme
- Zugänglichkeit der Stärke (Cytolyse, Schrotung, Kochmaischen)
- Maischebedingungen (T, t, pH)
- Aufheizrate/Schrotlösung (Schrotlösung schneller als Inaktivierung)
- Einfluss auf Verzuckerungszeit
- Dauer der Rasten der Restmaische (Endprodukthemmung)
- Acidität der Maische (Wasseraufbereitung, biologische Säuerung)
- Maischekonzentration (dicke Maischen → längere Verzuckerungszeit)
- Gussverhältnis Malz : Wasser = 1:3-5; Rohfrucht : Wasser = 1:2-3
- Iodnormalität
- Verkleisterungstemperatur VKT
- ab VKT quillt Stärke irreversibel auf
- Zerstörung der kristallinen Struktur
- durch Verschiebung der VKT (jahrgangsabhänigig) ändert sich auch die Restaktivität der ß-Amylase, da sich der Zeitraum zwischen Denaturierung und Verkleisterung verändert
- Steigerung des EVG durch Anpassung der Maltosebildungsrast an die VKT, aber auch Senkung des EVG durch Anpassung außerhalb der VKT
| Enzym | pH | Temp. | Inakt. |
|---|---|---|---|
| Amylolyse | |||
| α-Amylase | 5,6-5,8 | 70-75 | 80 |
| ß-Amylase | 5,4-5,6 | 60-65 | 70 |
| Grenzdextrinase | 5,1 | 55-60 | 65 |
| Maltase | 6,0 | 34-40 | 40 |
| Saccharase | 5,5 | 50 | 55 |
| R-Enzym | 5,3 | 40 | > 70 |
| Proteolyse | |||
| Sulfhydryl | 3,9 & 5,5 | 45-50 | 60 |
| Metall-aktivierte | 5,5 & 6,9 & 8,5 | 45-50 | 60 |
| Aminopeptidasen | 7,0-7,2 | 45 | >50 |
| Leucinaminopeptidase | 8-10 | - | - |
| Dipeptidase | 8,8 | 45 | >50 |
| Carboxypeptidase | 4,8-5,6 | 50 | >70 |
| Desmo-Proteasen | protoplasmatische Bindung, höhere Temperaturen | ||
| Cytolyse | |||
| Endo-ß-1,4-Glucanase | 4,5-4,8 | 40-45 | 55 |
| Endo-ß-1,3-Glucanase | 4,6 & 5,5 | 60 | 70 |
| ß-Glucan-Solubilase | 6,6-7,7 | 62 | 73 |
| Endo-Xylanase | 5,0 | 45 | - |
| Exo-Xylanase | 5,0 | 45 | - |
| Arabinosidase | 4,6-4,7 | 40-50 | 60 |
| Sonstige | |||
| Phosphatasen | 5,0 | 50-53 | > 60 |
| LOX | 5,0-7,0 | 45-55 | - |
| Peroxidase | 6,2 | > 60 | - |
| Lipase | 6,8-7,0 | 50-65 | - |
| Polyphenoloxidase | 6,5-7,0 | 65 | - |
Einfluss des Sauerstoffs
- Fernhalten von Sauerstoff beim Maischen
- Begasen mit Stickstoff
- Erniedrigen des Polymerisationsindexes
- stärkeres Reduktionsvermögen
- bessere Geschmackstabilität
- Verschlechterung des Bierschaums
- Beschränkung des übermäßigen Eiweißabbaus durch höhere Einmaischtemperaturen
- Vermeidung Oxidation von FS und PP
- Begasen mit Stickstoff
- Maßnahmen für die Praxis
- Ein- und Abmaischen von unten
- Rührwerksdrehzahlen anpassen
- niedriger Sauerstoffgehalt des Brauwassers
Zink
- physiologische Bedeutung für Hefe
- Eiweißsynthese
- Hefevermehrung
- Gärung (ADH)
- Folgen von Zinkmanel
- schlechte Hefevermehrung
- schleppende Haupt- und Nachgärung
- unvollständige Reduktion von Diacetyl
- Verlauf während des Maischens
- 3-3,5 mg/100 mg TrS im Malz
- 20 % in Lösung während Maischen
- 0,05-0,2 mg/l in Kühlwürze
- laufende Abnahme des Zinkgehalts während des Maischens
- Erhöhung Zinkgehalt
- isotherme Maischen 45 °C
- pH 5,0-5,4
- Verringerung Zinkgehalt
- pH 5,75
- Hauptguss 1:4 (Ausfällung beim Würzekochen)
- Sesquiterpenen (Metallbinder)
- hoher Gehalt AS, best. Polyphenolen, Phytinsäure
- übermäßige Trubabtrennung
Phosphate
- org. Phosphate im Malz → Phosphorsäure → primäre Phosphate
- Erhöhung der Acidität, pH-Erniedrigung, Verstärkung der Pufferung
- Steigerung
- niedrig einmaischen 35 °C
- Dekoktionsverfahren mit kleinen Temperaturintervallen
- lange Rasten bei 50 °C
- Maischesäuerung 5,85 → 5,40
Geschmackstabilität
- Malzqualität (Proteolyse, Abdarrtemperatur → Precursor, Polyphenolreiche Malze)
- Schroten (Schrotlagerungsdauer- temperatur, Sauerstoff, Nassschrotung)
- Einmaischen (hohe Temperatur, rasch von unten, Sauerstoff)
- Rasten (Proteolytische Rast)
- pH (Maischesäuerung)
- Enzyme (LOX, Peroxidase, Lipase, Polyphenoloxidase)
Schaum
- Würzebereitung (Maischverfahren, Läutertrübung, Kochintensität)
- Malz (ELG, LTP-1, LBG)
- Schaumphysik (Drainage, Disproportionierung)
- Hopfenprodukte (z.B. Downstream)
- Additive (Alginate)
- OFS (Tenside)
- Hefe (ICP, MB, Proteinase A)
Trübungsproblematik
- Opaleszenz (enzymatisch)
- α-Glucan (Malzqualität, Schrotung, Maischarbeit, Läutern, Hefe)
- ß-Glucan (Malzqualität auf Maischprogramm abstimmen)
- Protein (Hefetechnologie prüfen, Malzqualität, Sudhausqualität)
- Partikeln (mikroskopisch)
- Filterhilfsmittel
- Kristalle (Rohstoffe, Technologie)
- Fremdpartikel (Flaschenpartikel, KZE, Bierweg
Maischverfahren
Dreimaischverfahren
- Sicherheitsverfahren (alle wichtigen Enzymwirkungen)
- Einmaischen (Lösen)
- Restmaische 35-37 °C
- 1. Dickmaische
- weniger Enzyme
- physikalischer Aufschluss (Sprenung Stärkezellen, Verkleisterung, Koagulation, Enzymdeaktivierung, Farbe, Geschmack)
- Enzymwirkungen beim Aufheizen
- Gesamtmaische 50-53 °C (Eiweißabbau, Gummistoffe, Phosphate, ß-Amylase)
- Restmaische 50-53 °C, 2h (gute Enzymwirkung, nach 30-40 min Inaktivierung)
- 2. Dickmaische (proteolytisch, amylolytisch, physikalischer Stärkeaufschluß)
- Restmaische 62-67 °C 30-60 min
- rasche Verkleisterung, Verflüssigung, Verzuckerung
- Rührwerk ausschalten: langsame Enzymwirkung, Schutzkolloidwirkung für ß-Amylase
- 3. Kochmaische (Lautermaische)
- enzymreich, treberarm
- schnelles Aufheizen zum Kochen bis zu 1 h (10-20 min)
- Enzym-Inaktivierung wegen Schaum
- Abmaischen 74-78 °C
Zweimaischverfahren
- Anwendung
- typisch dunkle Biere (ca. 5 1/2 h)
- helle Biere (ca. 3 1/2 - 4 h)
- Vorteile
- Sicherheitsverfahren
- dunkle Biere: Maillard-Reaktionen, Spelzenauslaugung
- Variationen (Kochmaische-Reste in Pfanne, Temperaturniveu der Rasten)
- Nachteile
- hoher Zeit- und Energiebedarf
- für helle Malze zu intensiv
Einmaischverfahren
- Anwendung
- helle und dunkle Biere (ca. 2 1/2 - 4 h)
- Kombination Infusion und Dekoktion
- Kochmaische vor/nach Infusion
- Kesselmaischverfahren (Kaltwasser zugegeben)
- Schmitz-Verfahren (heiß abläutern)
- Vorteile
- EVG beachten, aber gut einstellbar
- Ausbeuten hoch
- Nachteile
- Kesselmaischverfahren: ungenügender ß-Glucanabbau
- Schmitz-Verfahren: breite Biere, kein Zeitvorteil
Springmaischverfahren
- Maische in heißes Wasser oder Kochmaische (80-100 °C) "einspringen" lassen
- Verringerung des EVG → alkoholarme, alkoholfreie Biere
- wichtige Kontrolle: Jodnormalität, Endvergärungsgrad
Infusionsverfahren / Hoch-Kurz-Maischverfahren
- 62°C 35 min, 70 °C 45 min, 76° C abmaischen
- Anwendung
- helle Biere (ca. 2-2 1/2 h)
- angenehm rezente, geschmackszarte Biere
- Ein- oder Zweimaischverfahren
- Vorteile
- mehr hochmol. N
- geringe Pufferung → niederer Bier-pH
- Freisetzung von Glycoproteiden bei 70 °C → Schaum
- Nachteile
- gut und gleichmäßig gelöste Malze notwendig (sonst, Läuter- und Bierfiltrationsprobleme, schlechtere Ausbeute, schlechte Klärung)
- Malzqualität
- Homogenität > 75 %
- Friabilimeter > 85 %
- Eiweiß wfr. < 11%, ELG > 40 %
- Viskosität Kongresswürze < 1,55 mPas, VZ 65 °C < 1,60 mPas
- ß-Glucan Kongresswürze < 200 mg/l, VZ 65 °C < 350 mg/l
- geringe ß-Glucan-Differenz Kongress ←→ VZ 65 °C
Schrotmaischverfahren (Kubessa)
- Anwendung
- Vorraussetzung Schrotfraktionen
- Spelzentrennung
- Vorteile
- Vermeidung der Spelzenauslaugung
- gezielter Aufschluß der Grobgrieße
- voller und runder Biergeschmack
- Nachteile
- Spelzen vollständig ausmahlen → Jodnormalität
- Schrotfraktionen müssen eindeutig definiert sein
- konstruktive Vorraussetzungen
ß-Glucanabbau
- Infusionsverfahren (90 min): 20 min 45 °C Einmaischen
- Infusionsverfahren (120 min): 40 min 40-45 °C gestaffelte Rast
- Teilmaischverfahren (160 min) Einmaischen 35 °C
- ß-Glucanfreisetzung ca. 65 °C
- ß-Glucanabbau ca. 45 °C nach Zubrühen
Wahl des Maischverfahren
- Anpassung an Rohstoff Malz
- Ausgleich der üblichen Schwankungen
- Variation der verschiedenen Rasten → EVG, FAN
- Korrektur Einmaischtemperatur ± 3-5 °C und Zubrühtemperatur
- Vorsetzen Eiweißrast
- Ausgleich bei schlechten Jahrgängen
- tiefe Einmaischtemperaturen 50 → 35-37 °C
- gestaffelte Eiweißrasten
- Vergrößerung HG → mehr Edelextrakt
- Maischesäuerung
- Variation der Spelzentrennung
- Zusatz Malzauszug bei Abmaischen
- abgestimmtes Infusionsverfahren
- Ausgleich der üblichen Schwankungen
- Anpassung an Biercharakter (z.B. sehr helle Biere)
- gut gelöste Malze (helle Farbe 2,5-3,0 EBC, Abdarrtemp. 80 °C)
- Malzkonditionierung und Spelzentrennung (günstige Polyphenolzusammensetzung)
- Brauwasser (RA < 2 °dH, auch negativ)
- biol. Säuerung (Enzyme, kürzere Maischzeiten)
- großer HG (1:4-4 1/2) → mehr Edelextrakt
- Zweimaischverfahren mit kurzer Maischekochung
- Koch-Kurz-Maischverfahren (vollmundiger, spriziger, Würzekochung und Trubabscheidung darauf abstimmen)
- mögliche Maischanalytik

Maischfehler
- niedrige Filterstandzeiten
- hohe ß-Glucangehalte (→ höher gelöstes Malz, Intensivierung Cytolyse)
- ß-Glucan-Gelbildung durch Scherkräfte
- Homogenität < 70 %
- schleppende Gärung: geringer Gehalt FAN (→ Malz mit mehr FAN, Intensivierung Proteolyse)
- zu hoher EVG: zu hoher Anteil Zucker (→ weniger Maltoserast, Maischesäuerung)
- Trübungen: unzureichende Verzuckerung (→ Intensivierung Amylolyse)
- hoher Jodwert
- zu hohe Abmaischtemperaturen (max. 78 °C)
- zu hohe Temperatur Nachgüsse
- Schrotmühleneinstellung
- Schaumprobleme: Proteolyse zu intensiv (→ höhere Einmaischtemperatur)
- geringe Geschmacksstabilität: zu viel Sauerstoff
- Sauerstoffeintrag vermeiden
- keine Vorschrotung
- Überprüfung Schrotung, Rührwerk, Pumpen
- höhere Einmaischtemperatur
- Maischesäuerung
- lange Läuterzeiten
- zu hohe ß-Glucan-Werte (→ höher gelöstes Malz, Intensivierung Cytolyse, homogeneres Malz)
- zu feines Schrot
- hohe Zufärbung
- zu viel Sauerstoff
- zu hohe thermische Belastung (→ Infusion, Würzekochung überprüfen)
- zu geringer pH-Sturz
- zu hohe Pufferung (→ Einmaischtemperatur > 50 °C)
- zu niedriger Maische-pH
- zu geringe Sudhausausbeute
- unterlöstes Malz
- zu hoher aufschließbarer Extrakt (→ niedrigere Einmaischtemepratur)
- unzureichende Verzuckerung durch α-Amylase (→ Intensivierung Amylolyse)
- zu grobes Schrot
Seiten Revision: 10, zuletzt bearbeitet: 22 Feb 2011 19:15






