Würzekochen
  • Warum Heißhalten?
    • Hopfenisomerisierung
    • Eiweißkoagulation
    • Enzyminaktivierung
    • Aromastoffbildung
    • Farbebildung
    • (pH-Absenkung)
    • DMS-P Spaltung
  • Einflussfaktoren zur Isomerisierung der α-Säuren
    • Kochzeit
    • Menge dosierte α-Säuren
    • Raschheit der Extraktion und Verteilung der Bitterstoffe
    • Alter des Hopfens / Oxidationsgrad
    • pH-Wert der Würze
    • Zusätze zur Verbesserung der Isomerisierung
    • Würzezusammensetzung (z.B. High Gravity)
  • Bitterstoffbilanz
    • Verluste in Ausschlagwürze durch Hopfentreber und Trub ca. 57,5 % übrig
    • Verluste in Bier durch Gärung, Lagerung, Filtration ca. 30 % übrig
    • iso-Bitterstoffgehalt nimmt während Kochzeit in Würze zu, während alpha abnimmt.
    • Verringerung Bitterstoffverluste
      • Einsatz von Hopfenpulver, Hopfenextrakt → gute Verteilung
      • Rückführung von Trub → weniger Verluste Eiweißkoagulation
      • bessere Isomerisierung → weniger α-Säure Verluste Gärung
      • Gärbedingungen → ZKG, Druckgärung, Hefezellzahl, Hefezustand, pH-Sturz, CO2-Bildung
  • Bruchbildung
    1. Aufspaltung H-Brücken
    2. Quervernetzung von Eiweißmolekülen / niedere PP (H-Brücken)
    3. Auffaltung von Disulfidbrücken (Unterstützt durch Reduktone, behindert durch Oxidationsmittel)
    4. Koagulation
    5. Einfluss ionischer Bindungen (Hopfengabe verstärkt Trubbildung)
    6. Maillard-Reaktion
    7. Polyphenole (Eiweißausfällung wegen reduzierender Eigenschaften
    8. Partikelgrößenverteilung: Außenkocher kleinere Partikel als Innenkocher und als beheizter Boden)
    9. Einflussfaktoren Bruchbildung
      • Kochdauer > 60 min
      • Kochtemperatur
      • Art und Weise des Kochens (Strömungsverhältnisse, Strömung Verteilschirm, Verdampfungsziffer, Heizsystem)
  • Aufgaben Würzekochung
    • Zerstörung Malzenzyme (Fixierung Stoffverhältnisse, Polyphenoloxidasen erst nahe Kochtemperatur)
    • Sterilisierung der Würze (Sporenbildner überleben)
    • Erhöhung der Acidität der Würze (pH-Abfall 0,1-0,2, Hopfenbittersäuren, Maillardprodukte, Ca2+, Mg2+, Ausscheidung alkalischer Phosphate)
    • Koagulation des Eiweißes (Geschmack, Vollmundigkeit, Stabilität), wenn mangelhaft dann
      • Verschmieren der Hefe
      • geringer pH-Sturz
      • niedriger EVG
      • schlechte Klärung
      • höherer Bier-pH, schlechtere biol. Stabilität
      • breite Eiweißbittere
    • Nebenreaktionen
      • Zunahme Farbe
      • Bildung reduzierender Substanzen
      • Zunahme Acidität
  • Verdampfung
    • Austreiben unerwünschte Aromastoffe (DMS, Carbonyle)
    • Verdampfung überschüssiges Wasser
      • Glattwassernutzschwelle 2,5-3,0 %
      • Gesamtverdampfung ca. 4-8 %
      • abhängig Kochsystem, Zeit, Temperatur
  • DMS
    • während Kochung sinkt DMS-Gehalt unter Geschmacksschwelle (100 µg/l) durch Bildung und Ausdampfung und steigt nach Kochende wieder an (u.U. über Geschmacksschwelle), weil keine Ausdampfung mehr.
    • DMS-Bildung: aus S-Methyl-methionin SMM = DMS-P ODER Dimethylsulfoxid (DMSO) ODER Maillard-Reaktion (quantitativ unbedeutend)
    • Einflussfaktoren auf Bildung: Verdampfung, Mals DMS-P, Maischverfahren, Kochtemperatur, Kochzeit, Würze-pH, Würzekonvektion
    • Reaktionskinetik 1. Ordnung $A_t = A_0 \cdot e^{-k \cdot t}$
  • Eckwerte
    • DMS 40-60 µg/l (<100!) → Fehlgeschmack
    • TBZ 30-40 → Alterungsstabilität, thermische Belastung)
    • Koag-N 2-3 mg/100ml (>1,4!) → Schaum, thermische Belastung
  • Zusammensetzung Ausschlagwürze
    • pH-Wert 5,0-5,7 (biol. Säuerung 5,0-5,2)
    • vergärbarer Extrakt (Malzauflösung, Maischarbeit)
    • ß-Glucan > 250 mg/l → Filtrationsschwierigkeiten
    • Viskosität (ß-Glucan, hochmol. N-Substanzen, α-Glucane)
    • Gesamt-N (Eiweißgehalt, Malzauflösung, Maischarbeit)
    • Stickstoff-Fraktionen (FAN > 22 % Rohfrucht, sonst so viel wie für Gärung nötig)
    • Polyphenole (Tannoide jahrgangsabhängig, PP durch Hopfen)
    • Bitterstoffgehalte (Hopfensorte, Nachisomerisierung)
    • Mineralstoffe (Brauwasser, Rohfrucht weniger K und PO3-
Fraktion Unterfraktion Wert
Kohlenhydrate  Hexosen  7-8 %
Sachharose 2-3 %
Maltose 42-47 %
Maltotriose  11-13 %
Dextrine  niedere  6-12 %
höhere  19-24 %
ß-Glucane 0,2-0,4 %
Pentosane 3-4 %
Stickstoffsubstanzen Gesamt-N 950-1150 mg/l
hochmol. N 22 % (koag. N 2 %)
mittelmol. N 18 %
niedermol. N 60 % (Formol-N 34 %, FAN 22 %)
Vitamine Thiamin (B1), Riboflavin (B2), Pyridoxin (B6), Nicotinamid, Pantothensäure, Inosit, …
Polyphenole Gesamt-PP  180-300 mg/l
Anthocynaogene 70-140 mg/l
Tannoide 60-100 mg/l
Bitterstoffe EBC-Einheiten  > 15
α-Säuren 3-20 mg/l
Iso-α-Säuren > 15 mg/l
Mineralbestandteile 1,5-2,0 %
Phosphate, Silikate, Chloride, Sulfate, Nitrate, Kalzium, Magnesium, Kalium, Natrium, Zink
  • Aromastoffe
    • nichtenzymatische Reaktionen
      • chemische Parameter (Vorläufer, Temperatur, Zeit und Mileu, pH-Wert, Sauerstoff und Wassergehalt)
      • Aromaveränderungen bei Zimmertemperatur erst nach längerer Zeit durch Lipidperoxidase, Maillardreaktion, Streckerabbau der AS
      • Beschleunigung durch Kochprozess
    • Maillard-Reaktion: Zucker und AS geben Amadori-Prodkte, die über Enolisierungen zu Carbonyl-Verbindungen werden. Dies werden mit AS im Strecker-Abbau in Folgereaktionen zu Aromastoffe und Melanoidine
    • Aromastoffe in Würze: Pyron, Maltol, Furan, Isomaltol, Pyrazin, Pyrrol, Pyrrolin, Furfural, Thiazol
    • Bildung 2-Furfural Schoko < Aussenkocher < Varioboil < Innenkocher
    • Hefe kann durch Bildung geschmacksintensiver Ester Furanverbindungen reduzieren, durch Pasteurisierung oder Alterung werden die brotartigen Verbindungen rückgebildet
    • durch Sauerstoff ist der Aromastoffgehalt sehr viel höher
    • Verlauf der Streckeraldehyde: bei allen Kochsystemen abnehmend bis zum Ausschlagen, ab hier steigend; Schoko hier sinkt Gehalt erst mit der Verdampfung am Schluss
    • Abbau Linol- und Linolensäure
      • Linolsäure → Hydroperoxysäuren → α-Ketole → Dihydroxy, Trihydroxy, Epoxysäuren + Carbonylverbindungen
      • Austreiben beim Würzeküchen
  • Würzekochsysteme
    • Verdampfung/Erhitzung durch
      • Boden- oder Zargenheizung
      • Innen- oder Außenkocher
      • externe Wärmeübertrager
      • (Mikrowellenkocher)
      • Dünnfilmverdampfer
      • Entspannungsverdampfer
      • Rektifikationskolonnen
    • Vorgänge im Rohr während Würzekochung
      • Dampfseitig
        • laminar-glatt
        • laminar-wellig
        • laminar-turbulent + Kondensat
      • Produktseitig
        • Zone des vollständigen Blasensiedens
        • unterkühltes Blasensieden
        • Blasenpelzzone
        • Aufheizzone
    • Innenkocher
      • Aufbau: Würzeverteilschrim, Staukonus, Entlastungsöffnungen, Rohrbündel-Wärmeübertrager, Dampf/Heißwasser-Zuflauf, Kondensat/Heißwasser-Ablauf
      • Fouling → Laugereinigung
      • Pulsieren beim Aufheizen
      • Rundlaufen beim Kochen
      • Zwangsanströmung bewirkt bessere Temperaturverteilung (z.B. zusätzlicher Würzeumwälzpumpe)
    • Stromboli
      • definierte Umwälzung durch frequenzgeregelte Pumpe, Strahlpumpe, Würzetrimmer
      • 2 Kreisläufe: Innenkocher, Zirkulieren
      • → gleichmäßige Strömung in allen Rohren, 8-10x Umwälzung pro Stunde
    • Jetstar
      • unterschichtiges Ausströmen (Subjet) → vermeidet Pulsieren → Aufheizen ohne Fouling → Aufschäumen vermeiden
      • Kolbenstörmung
      • Homogenes Ansaugen beim Innenkocher → homogenes Umwälzen
      • sonst entstehen Kurzschlussströmungen und Totzonen
      • thermische Umsetzung bei unterschichtigem Ausströmen, unabhängig von Verdampfung
      • schonendes Ausdampfen über Ausdampfoberfläche des 2-Ebenen-Leitschirms, Einstellung Stammwürzegehalt
    • Außenkocher
      • Thermosyphon-Kocher befindet sich unter Würzespiegel (ohne Pumpe)
      • beim Aufheizen läuft Würze unter Spiegel ein, beim Kochen wird diese von Oben einlaufen gelassen
      • Einsatz einer frequenzgeregelten Pumpe, Einsatz eines Pfadukos zur Warmwassergewinnung
    • Dynamische Niederdruckkochung
      • 1. Phase: Statische NDK (Thermische Stoffumsetzung, energetisch vorteilhaft, sehr gute Homogenität) bei 100 mbar Überdruck
      • 2. Phase: Dynamische NDK (sehr gute Ausdampfung → Dampfblasen-Stripping) Druckauf- und abbau 100-150 mbar
      • Entspannen und Ausschlagen
    • Merlin
      • Whirlpool als Sammelgefäß, Kochen über Dünnschichtverdampfer (2 Heizzonen), 5-6fache Umwälzung pro Stunde, Dampf 1,5 bar 130 °C
      • nach Whirlpool ist Stripping möglich
    • SchoKo
      • 98 °C 60-90 min, Rührwerk wichtigt
      • nach Whirlpool in Entspannungsverdampfer (tangentialer Würzeeintritt)
    • Vakuumverdampfung
      • nach Whirlpool
      • Brüdenkondensator möglich
    • Varioboil
      • Entspannungsverdampfer
    • Wort Stripping
      • Vorkochen 5 min, Heißhalten 30 min, Nachkochen 5 min
      • Heißtrub abtrennen
      • Strippen mit Dampf in Wort Stripping Column
    • Nachverdampfung
      • Ausdampfung unerwünschter Aromastoffe nach Whirlpool
      • kürzere Kochzeiten (Energieersparniss, Qualitätsverbesserung)
      • Reduzierung DMS (um 80 %), Streckeraldehyde (20 %), Alkohole (5 %)
      • koag. Stickstoff nimmt weniger stark ab als bei der konventionellen Kochung
  • Energierückgewinnung
    • Pfannendunstkondensator
      • Heißwassererzeugung
      • Energiespeicher und Würzevorwärmung
    • Brüdenverdichter
      • mechanisch
      • thermisch (Dampfstrahlverdichter der Außenkocher beheizen kann)
    • Energiespeicher (unten 78 °C, oben 98 °C)
  • Würzevorkühlung
    • vor Einlauf in den Whirlpool
    • weniger freies DMS, aber mehr DMS-P im Vergleich ohne Vorkühlung
    • weniger TBZ → weniger thermisch belastet
  • moderne Würzekochsysteme
    • hohe Wirtschaftlichkeit (geringer Energieverbrauch) → Gesamtverdampfung 4-5 %
    • hohe Würzequalität (geringe thermische Belastung) → gute Geschmacks-Stabilität
    • → hohe Ausdampfeffizienz nötig
AW WW
TBZ < 45 < 60
gesamt DMS < 100 µg/l < 100 µg/l
koag. N (Abnahme nach 75 min) 15-25 (besser 20-30) mg/l -
  • Parametrierung
Kochdauer Kochtemp. Verdampf. vor Heißtrubabsch. Verdampf. nach Heißtrubabsch.
Innen-/Außenkocher beliebig atmosph. X -
HTW-Kochung 2-3 min max. 145 °C X -
 Dynamische NDK 40-60 min 100-103 °C X -
SchoKo 40-60 min heiß 97-99 °C - X
Wort Stripping 40 min + Stripping 100 °C  - X
 Vakuumverdampfung  40-50 min + Vakuum 100 °C X -
Varioboil  40 min + Vakuum atmosph. X -
Merlin 35-40 min + Stripping atmosph.  X X
Stromboli 60 min atmosph. X -
Ecotherm 70 min atmosph. X -
  • Einfluss Kochung auf Hopfenaroma
    • Linalool-Gehalt steigt nach Hopfengabe, erreicht ein Maximum und wird mit der Zeit Ausgedampft.
    • SchoKo dampft nur sehr langsam Linalool aus, während andere Kochsysteme die erste Gabe fast vollständig ausdampfen.
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