Allgemeine Lebensmitteltechnologie Klausur SS 2000

Aufgabe 1

a) Wie ist der aw-Wert definiert`?

  • in Lebensmitteln weist gebundenes Wasser meist einen niedrigeren Dampfdruck (p) auf als freies Wasser (p0)
  • Kapillardruck = Unterdruck, der zu festerer Bindung des Wassers in feinen Kapillaren im Lebensmittel führt
(1)
\begin{align} a_w = \frac{p}{p_0} \qquad [0...1] \end{align}
  • relative Gleichgewichtsfeuchte RGF = aw * 100 ist das Gleichgewicht mit der Feuchte der Umgebung

b) Stellen Sie die Sorptionsisotherme dar. Zeichnen Sie mit Beispiel, die Sorptionsisotherme von stark hygroskopischen und nicht hygroskopischen Lebensmitteln auf.

sorptionsisotherme.gif
  • stark wasserziehende (hygroskopische) Lebensmittel nehmen schon bei niedriger relativer Gleichgewichtsfeuchte (RGF) bis zu 100 % absolutes Wasser auf, z.B. gebräunter Zucker, Fruchtsaftpulver
  • schwach hygroskopische Lebensmittel nehmen selbst bei 100 % RGF nicht mehr als 50 % absoluten Wassergehalt an, z.B. Kochsalzkristalle
  • LM mit hohen Eiweißanteil haben einen flacheren Verlauf (eher weniger hygroskopisch)
  • LM mit hohen Stärkeanteil haben einen steileren Verlauf (eher mehr hygroskopisch)

c) Geben Sie aw-Bereiche für chemische, mikrobioelle und enzymatische Reaktionen in Lebensmitteln an.

Verderbnisreaktion min. aw [%]
chemische Reaktionen > 0,4
mikrobielle Reaktionen > 0,65 - 0,95
Bakterien > 0,91 - 0,95
Schimmelpilze > 0,8
Xerophile Schimmelpilze > 0,65
enzymatische Reaktionen > 0,6

d) Stellen sie den typischen Verlauf einer Sorptionsisothermen dar. Wie ändert sie sich bei höherer und niedriger Umgebungstemperatur?

sorptionsisotherme.gif
  • je höher die Temperatur, desto höher darf die relative Luftfeuchtigkeit der Umgebungsluft sein, um das Lebensmittel auf den selben Wassergehalt zu trocknen.

Aufgabe 2

a) Definition der Oberflächenspannung

  • Im Inneren der Phase kommt es zu Wechselwirkungen zwischen den Teilchen, welches zu einer Erniedrigung des Energiestatus führt
    • Ionische Wechselwirkung
    • Dipolwechselwirkung
    • hydrophope Wechselwirkung
    • van-der-Waals-Kräfte
  • An der Phasengrenze gibt es nicht kompensierte Wechselwirkungsmöglichkeiten von Teilchen
    • freie Bildungvalenzen
    • erhöhter Energiezustand
(2)
\begin{align} F \cdot dx = \sigma \cdot 2 (l \cdot dx) \\ \sigma = \frac{F \cdot dx}{2 (l \cdot dx)} \qquad \left[ \frac{N}{m} \right] \end{align}

b) Erläutern Sie am Beispiel von Monoglyceriden den prinzipiellen Aufgaben und die Wirkungsweise von Emulgatoren

  • bei Monoglyceriden ist nur eine von drei möglichen Stellen mit einer Fettsäure verestert
  • langkettige Fettsäure bildet den lipophilen Teil des Emulgators
  • OH-Gruppen des Glycerins bilden den hydrophilen Teil (Wasserstoffbrückenbindungen) des Emulgators
  • Monoglycerid kann mit lipophilen und hydrophilen Teilchen gemischt werden und sorgt dafür, dass eine Emulsion stabil bleibt

c) Definieren sie den HLB-Wert. Wie kann man davon ausgehend auf die Eignung eines Emulgators für verschiedene Emulsionstypen schließen?

  • hydrophilic-lipophilic-balace = Beschreibung des hydrophilen und lipophilen Anteil von nichtionischen Tensiden
  • je höher der HLB, desto besser ist die Löslichkeit in Wasser (Öl in Wasser, ca. 8-18)
  • je kleiner der HLB, desto besser ist die Löslichkeit in Lipiden (Wasser in Öl, ca. 3-8)
(3)
\begin{align} HLB = 20 \cdot \left(1 - \frac{M_L}{M_G} \right) \end{align}

Aufgabe 3

a) Erläutern sie anhand eines Diagramms den Begriff Dezimalreduktionszeit und welcher Zusammenhang besteht zwischen der Dezimalreduktionszeit und der Temperatur?

Klausur0102_dwert.png
  • Dezimalreduktionszeit = Zeit, die notwendig ist, um bei konstanter Temperatur die Zahl der Mikroorganismen um 90 %, bzw. um eine Zehnerpotenz abzutöten
  • Je höher die Temperatur, desto geringer wird der D-Wert, bzw. desto steiler wird die Gerade im log N-t-Diagramm.

b) Wie wird der D-Wert quantitativ erfasst?

  • als Bezugskeim gilt Clostridridium botulinum
  • da Keimreduktion um 90 % zu ineffektiv ist gilt das 12 Dr-Konzept, welches die Keimzahl um 12 Zehnerpotenzen absenkt

c) Soll die Sterilisierung eines Lebensmittels bei hoher Temperatur und kurzer Behandlungszeit oder bei niedriger Temperatur und langer Behandlungsdauer druchgeführt werden? Begründen Sie!

  • hohe Temperatur, kurze Behandlungszeit
    • sichere Abtötung der Mikroorganismen
    • hoher energetischer Aufwand
    • kurze aber intensive Maillardreaktionen möglich
  • niedrige Temperatur, lange Behandlungsdauer
    • lange thermische Belastung qualitativ nicht förderlich
    • keine Maillardreaktion
    • wenig Energieaufwand
    • lange Zeit nötig, um sicher MOs abzutöten
    • thermophile Organismen können nicht inaktiviert werden

Aufgabe 4

a) Erklären Sie die Prinzipien bei den Trocknungsverfahren

  • Konvektionstrocknung
    • Wärmeübertragung durch erhitze Luft (Gegen- oder Gleichstrom)
    • Umlufttrockenschrank, Bandtrockner, Fließbetttrockner
  • Kontakttrocknung
    • Wärmeübertragung druch beheizte Festkörper
    • Walzentrockner, Trommeltrockner
  • Gefriertrocknung
    • Phasenübergang von Eis zu Dampf (Bildung von möglichst kleinen Eiskristallen (tiefe Temperaturen), um LM zu schonen)

Aufgabe 5

a) Welche Gemeinsamkeiten und Unterschiede bestehen zwischen Gefriertrocknung und Gefrierkonzentrierung? Stellen Sie beide Prozesse in Fließschemata dar.

  • beide Prozesse nutzen den Phasenübergang von fest zu gasförmig
  • bei der Trocknung wird das Wasser zu Eis gefroren und durch ein Vakkuum sublimiert, d.h in die Dampfphase gebracht
  • bei der Konzentrierung wird der wässrigen Lösung, das Wasser durch Sublimierung entzogen -> Senkung des Gefrierpunkts durch Konzentrierung, Nach Überschreiten der Löslichkeitsgrenze kristallisieren Wasser und konzentrierte Lösung gemeinsam aus.

b) Erklären Sie anhand des Phasendiagramms das Prinzip der Gefriertrocknung.

Phasendiagramm_des_Wassers.png
  • Lebensmittel einfrieren (tiefe Temperaturen)
  • Vakuum (Druck absenken)
  • Eis verdampft

Aufgabe 6

a) Geben Sie Beispiele (Prinzip, stichwortartige Beschreibung) für chemische und physikalische Verfahren zur Haltbarmachung von Lebensmitteln.

  • thermisch: Sterilisation, Pasteurisation, Trocknen
  • physikalisch: UV-Licht, ionisierende Strahlung
  • chemisch: Salzen Zuckern, Konservierungsstoffe, Räuchern
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